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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 1-2 (1882) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
1-2 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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20 wegte sich denn auch unsere Unterhaltung mit den Juden. Da gab cs seltsame Geständnisse. „Alles bei uns ist gottlos, nur einer noch so ungefähr dem alten Glauben zugethan, alle übrigen legen sich die Religion nach eigenem Belieben zurecht." „Und doch soll Versöhntag etwas nützen?" frug ich. „Nun, man muß doch wenigstens etwas beibehalten und thun." „Aber das Beste," fuhr ich fort, „fehlt ja eurem Versöhntage, die Opfer!" „Dafür fasten wir." „Ganz recht, das hat auch einst Gott für diesen Tag geboten, aber ebenso wie dies das Versöhnungsopfcr. Der eine und selbe Gott hat das erste und das zweite bestimmt." Die Juden fanden keine Antwort. Ich hielt ihnen vor, daß sie es besser haben könnten. Gott habe ihnen seinen Knecht, den Messias verheiße», welcher ihr Schnldopfer werden solle, und in dem sie nach Jesaia den Bund mit Gott besitzen könnten. „Ist denn Messias schon gekommen?" „Ja, so gewiß, als ich vor euch sitze." „Wir aber warten seiner noch." „Dann thnt ihr Unrecht und müßt selbst die Schuld eurer Sünde büßen. Wenn Jemand für mich, der ich einem Andern 1000 Gulden schulde, dieselben bezahlen will, und ich nehme diesen Stellvertreter nicht an, dann wandere ich billig in's Gefängniß. So aber verfahrt ihr Juden mit Jesu, eurem Stellvertreter. Denkt daran, es kommt ein Tag der Rechenschaft, und diesem folgt die Gehenna (Hölle). Ihr könnt Versöhntag viel besser begehn, ihr könnt an demselben das Opfer haben, das Gott selbst euch gegeben hat, und daun werdet ihr wahrhaft selige Leute sein." Die Juden waren verlegen, eine Antwort fanden sie nicht. 2. Am Abend Predigt in der Synagoge. Thema der Predigt des Rabbiners: Wie soll man Versöhntag halten? 1. mit Weinen; 2. mit Beten; 3. mit richtigem Wandel darnach. Die ganze Predigt war Phrasenwesen, kein Herzcustou in dem gesammten Gerede. Im geziertesten Vortrage sprach der Redner über Sünde das schwülstigste Zeug; keine Seele konnte bei dieser Theaterdeklamation zum Nachdenken über sich selbst geführt werden. In den 24 Stunden des Fastens, erklärte übrigens der Rabbi, hörten die Juden auf, Leib zu sein, und würden ganz Geist, unter ihrem Weinen und Beten aber die Leidenschaften erstickt, die bösen Neigungen ausgetilgt und die Sünde vernichtet. Die Zuhörerschaft fand diese Rede nach Form und Inhalt „sehr fein".

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