Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 1-2 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Wirklichkeit geworden, und nun predigt das Evangelium, daß Gott Christum aller Welt schenkt, damit wir durch ihn die Erlösung von der angeborenen Selbstsucht und die Gerechtigkeit, welche dem wahren Ideal entspricht, erlangen. Kommt zu Jesu, das ist deshalb der Ruf, der jetzt an alle ergeht, und hier ist der Boden, auf dem auch der Friede zwischen Christen und Juden, den die Humanität nicht schaffen will, erwachsen kann. Auf dieseu Boden treten Sie selbst, mein junger Manu!" Er gab uns gern die Hand, die wir ihm daraus zum Abschiede reichten. 16. Etwas hat auch der Beste, auf dem Gewissen. Trotz des Schabbes handelten alle Juden auf dem Markte. Ich redete -einen alteren Juden hierauf an. „Werden Sie es auch am nächsten Montag, dem Bersöhnungstag, thuu?" „O nein; etwas hat auch der Beste auf bcm Gewissen, darum muß man es au diesen: Tage bekennen." Ich wolle das gelten lassen, erklärte ich bcm Alten, wolle ihn aber doch auf eineu Andern Hinweisen, der besser als wir beide gewesen sei, nämlich David, und der nicht blos „etwas auf dem Gewissen" gefühlt habe, sondern bekannte, daß seine Sünden wie der Sand am Meere und mehr als Haare auf seinem Haupte seien. Der Alte wollte dieses Selbstbekenntnis^ Davids daraus erklären, daß derselbe als König mit einem guten Beispiele habe vorangehn wollen. Auch das wurde zugestanden, aber ebenso festgestellt, daß David kein Heuchler war, sondern seine Bekenntnisse der Ausfluß seiner innersten Ueberzeuguug gewesen sind. Und nun wurde hinzugefügt: „David hat nicht blos, wie Sie es thun wollen, im Verborgenen Gott seine Sünden bekannt, sondern er hat es öffentlich vor aller Welt gethan, er hat seinen Ehebruch mit Bathseba vor seinen! ganzen Volke selbst gerichtet. Das heißt seine Sünde aufrichtig bereuen und vernrtheilen; und an diesem Beispiele lassen Sie es uns Lernen, unserer eigenen Sünde gegenüber die rechte Stellung gewinnen." Da eilte aber der Alte davon, er hatte mit einem Male schleunige Geschäfte. 17. Bersöhnungstagsfrageu. 1. Am Abend sollte der Versöhntag beginnen, und die Synagoge versprach von den zahlreichen Juden der ansehnlichen Stadt gut besucht zu werden. Um diesen Tag und seine Bedeutung be- 2*