Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 1-2 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554884-2554886--07738-2563754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
17 lieber Freund, nur auf die Stimme Ihres Gewissens, und auch Sie werden dann unfehlbar zu-Christo kommen/" Eine Antwort erfolgte nicht. 14. Es ist meine Bestimmung, Jude zu bleiben. Dem letzten Gespräch hatten katholische Gymnasiallehrer und Juden im Nebenzimmer aufmerksam zugehört, aber auch der Vater des jungen Mannes. Dieser eilte nun seinem Sohne zu Hilfe. Höflich erklärte er, meine Worte seien ja freilich wohl zu bedenken, aber er sei nach Gottes Willen nun einmal als Jude geboren, und damit habe er die Pflicht, diese That Gottes gelten zu lassen und nicht durch einen Uebertritt wider denselben zu streiten. Ich warnte aber den Alten vor einem solchen Grundsatz, denn auf denselben könnten sich alsdann auch alle Nachkommen von Dieben und Mördern berufen. Ein Dieb habe einst vor Gericht erklärt, es sei für ihn die Bestimmung Gottes, zu stehlen; der Richter aber habe ihm geantwortet, so sei es auch die Bestimmung Gottes für ihn, in's Gefängniß zu wandern. — Alle Anwesenden lachten. Als der Alte dann jedoch für die Verbrecher seinen Grundsatz nicht gelten lassen wollte, sagte ich ihm, daß ich einmal über das Schwanken in seinen Grundsätzen hinwegsehn und sein Wort für Religionöangelegenheiten einen Augenblick gelten lassen wolle. „Dann ist aber Abraham ein arger Sünder gewesen, denn er hat den väterlichen Götzendienst verlassen; dann waren alle die Juden, welche von dem heidnischen Glauben ihrer eigenen Volksgenossen abfielen, um den Propheten zu folgen, Uebelthäter; dann haben alle die Völker, welche das Heidenthum verlassen und das Christenthum angenommen haben, sehr unrecht gehandelt, und dann gilt auch das Nämliche für Sie selbst, denn Sie haben dem talmndischen Glauben Ihres Vaters den Rücken gekehrt/" Hier war nun fein Entrinnen mehr möglich, und der Alte frug jetzt nur, warum denn Gott, wenn die Sache so stehe, die Leute nicht zum rechten Glauben zwinge? „Weil er"", wurde entgegnet, „kein Tyrann, sondern ein Vater ist. Sie, mein Herr, haben auch Ihre Kinder nicht sofort hingeschlachtet, wenn sie Verkehrtes thaten, sondern sie in Geduld zu erziehen gesucht. Eben dies ist die Weise Gottes. Er wird gewiß den hartnäckig Widerstrebenden einst richten, aber vorher bietet er alle Langmuth uub 2