Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1882-01-01 · 1-2 (1882) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
1-2 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554884-2554886--07736-2563752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 der Stimme des Moses und der Propheten gerade um des Gewissens willen Gehör zu schenken haben. Sagen Sie selbst, ist es nicht wahr, daß stets zwischen Juden und Nichtjnden ein großer Zwiespalt geherrscht hat?" „Ja." „Erklären Sie mir doch darum, wie es möglich war, daß trotzdem alle unsere eigenen Religionslchrcr und heiligen Bücher, alle unsere eigenen Priester und Gelehrten, alle unsere eigenen Philosophen und Männer der Wissenschaft auf uns nicht einen solchen Eindruck gemacht haben, wie jene jüdischen Männer, die das Alte und Neue Testament geschrieben haben? — Sehen Sic, dieses Wort ist eben seit Jahrhunderten in die Gewissen der Völker gefahren. Käine cs nur als die Meinungen und Gedanken von Juden an uns, dann hätten wir es längst beseitigt; aber weil wir cs, trotzdein es Juden sind, die es uns gebracht haben, annehmen, so können Sic auch daraus merken, daß wir in demselben eben nicht Menschenstimmen, sondern die Stimme des lebendigen Gottes zu uns reden hören." So war dem jungen Manne der Beweis für die Autorität der Bibel geführt worden, und er verstummte. 13. Der Sohn Gottes und das gereinigte Judeuthum. Das Gespräch über die Offenbarung hatte den Wirthssohn nachdenklich gemacht und er wollte nun am Abend über Christum Näheres hören. Gott könne doch keinen Sohn haben, den» der Gedanke an eine Ehe sei für ihn ein entwürdigender — wie also dieses Räthsel lösen? Das Beispiel Israels, Davids und der Könige des Volks, die Gott seine Söhne nennt, beruhigte ihn bald über diesen Punkt, und ich konnte nun auf die Sache näher eingehen: „Wie Eva ans Adam entstanden ist, ohne eine Mutter zu haben, so sollte der Messias Gottes von einem Weibe geboren werden, ohne einen menschlichen Vater zu haben. Eine Jungfrau, sagt Jesaia, wird schwanger werden und einen Sohn gebäre», der Gottheld und sogar Vater der Ewigkeit heißen würde. Micha aber fügt hinzu, um dies verständlicher zu machen: sein Ausgang werde aus der Ewigkeit her sein. Hiernach ist die Anschauung des Alten Testamentes über den Messias also die, daß derselbe von Gott, wo er vorher lebte, kommt und doch als Mensch voin Weibe geboren wird." „Das mag die Ansicht der späteren jüdischen Zeit gewesen sein," entgegnete der junge Man», „aber von Anfang an

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.