Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 1-2 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 und bedürfen alle Menschen. Weil unter Ihnen, den Inden, aber vor Allem die Religion in eine Verstandcssache nmgewandclt worden ist, darum ist unter Ihnen auch ein gutes Gedächtniß zur Gerechtigkeit gemacht worden, und darum haben Sie sich diejenigen Mensche», welche nicht viel Bcrstandeswissen über religiöse Gegenstände anfzuwciscn haben, in entwürdigender Weise anznschen gewöhnt. Das hat z. B. jene ihre häßliche Anffassnng des Weibes herbcigeführt, von der selbst das Gebetbuch Zcugniß ablegt; denn dort muß der Mann beten: „Ich danke Dir, Gott, daß Du mich nicht zu einem Weibe gemacht hast!" Sic haben eben im Jndcnthnm keine Ahnung davon, daß nnscrcm Gott alle, sic mögen Männer und Gelehrte oder Kinder und Weiber und Ungebildete sein, gleich nahe stehen, wenn sic ihm ihr Herz schenken, und daß allein die Stellung unseres Herzens für Gott die entscheidende Bedeutung hat. Die christliche Religion predigt das uns, darum befriedigt sie die Menschen hin und her, während das Judcnlhui» alle Andern kalt läßt." Mein Widersacher versuchte noch einmal seinen Kopf aus der Schlinge hcranszuzichn und erklärte, daß jenes Gebet nur so laute, weil Eva sich zuerst den Fluch aufgcladcn habe. Aber ich cntgcgncte ihuu „Sic alter Bocher (Studircnder) wissen es ganz genau, daß der Talmud allein den Mann zu seinem Studium verpflichtet und von ihm sagt, daß er sich durch dieses Studium viel mehr Verdienst vor Gott als die Frau erwerben könne, und daß eben aus dieser verkehrte» Anschauung heraus auch jenes Gebet stammt." Da lachte er, denn er war geschlagen, und als geschlagenen Helden ließen wir ihn jetzt inmitten der Seinen zurück. 11. Haben Sie Viele bekehrt? Wir machten einen Gang zur Eisenbahn. Unterwegs begrüßte uns ein freundlicher Jude, der uns wiederholt zugchört hatte. „Haben Sie schon Viele bekehrt?" redete er uns au und lächelte dabei. Ich antwortete ihm: „Der Prophet Jcremia glaubte nicht einmal, daß er sich selbst bekehren könne, denn er betete: Bekehre Du mich, so werde ich bekehrt! wie viel weniger ist cs möglich, daß ein Mensch einen andern bekehrt! Aber das weiß ich allerdings, daß der HErr und sein Geist mit seinem Worte sind, wenn es durch Meuschenmund gepredigt wird, und dieses allgewaltige