Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 1-2 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Im Gefühl seines nahen Triumphes hatte er auch die Andern rechtzeitig herbeizuziehen gewußt. Unser Gegner war ein talmudisch gebildeter Mann. Einer der von Flad ausgetheilten Traktate war in seine Hand gekommen, und derselbe enthielt auch viele hebräisch gedruckte Worte. Eins der letzter«, al, war statt mit aleph mit ajin geschrieben und dadurch der Sinn entstellt worden. Hier setzte nun unser Widersacher ein. „Sie haben", redete er mich an, „eine Schrift geschrieben, welche einen argen Beweis Ihrer Unkenntniß des Hebräischen liefert." Ich ließ mir die Schrift und den Fehler zeigen; crsterc hatte mich nicht zum Verfasser, und das wurde zunächst festgcstellt. Dann aber frug ich ihn, ob er denn nicht wisse, daß es Druckfehler gebe und'dicse in allen Büchern vorkämen? Druckfehler wollte darauf dieser Gelehrte zugestch», aber nicht so arge. Ich wies ihn aber darauf hin, daß selbst im A. T. Druckfehler vorkämen, welche den Sinn durchaus veränderten, und erzählte dann einen Fall, wie eine geizige Frau durch den Druckfehler des mit einem kleinen g geschriebenen „Gebet", welches also nun „gebet" lautete, von ihrem Geize geheilt worden sei. Das Beispiel schlug durch, und mit dem Druckfehler war nichts mehr auszurichten. Doch nun ging ich zum Angriff über. Ich erklärte vor der dicht gedrängten Zuhörerschaar: mit armseligen Druckfehlern werde der große Kampf zwischen Christenthum und Judenthum nicht ausgetragen, die Sache sei auch viel zu ernst. Die Synagoge habe überall Irrwege eingeschlagen und nirgends die Gottcsgedanken verstanden. Auf Gerechtigkeit vor Gott komme es an, und die Bibel wisse hiervon uur zu sagen: „Im HErrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke!" „Ach," entgegnete unser Widersacher, „Sie wissen weiter nichts als Tcnach (A. T.), viel mehr Verstand ist für den Talinud nöthig!" Die Antwort folgte schnell: „Mit dem bloßen Verstände wird der Mensch nöthigenfalls ein Teufel, und in der Religion handelt es sich eben daher nirgends um eine Menge Verstand oder Wissen. Ich habe in der Schrift noch nie gelesen: Gott sieht den Verstand oder den Kopf an, wohl aber: „Gott sieht das Herz an". Ein Herz, das nach der Gerechtigkeit vor Gott und nach der Vergebung der Sünden Verlangen trägt, bedürfen Sic, mein Freund,