Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 1-2 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 zeit gepredigt habe, sei darüber wiederholt dahin gelangt, die Beglückung der Menschheit durch Mord und Brand hcrbeiführen zu wollen. Mit dem sogen. Fortschritt sei cs also doch wohl eine bedenkliche Sache! Mein Gegner suchte jetzt daher, das Jndenthum auf eine andere Weise zu retten, er wollte ihm mit einem Male einen positiven Gehalt geben, den die Welt von ihm annehmen müsse: die Einigkeit Gottes und die allgemeine Menschenliebe. Da gestand ich ihm nun zu, daß er allerdings Recht habe, wenn er die genannten beiden Punkte als einen Ausfluß der Lehren des Alten Testanients betrachte; denn die letzter« verdienten allerdings, daß man ihnen folge, während der Talmud nur von seinem gerechten Gericht ereilt werde, wenn ihn die Inden jetzt selbst verließen — letzterem stimmte mein Widersacher zu. Aber nun hielt ich ihm vor, daß unter Einheit Gottes gar Verschiedenes verstanden würde. Die jüdischen Pantheisten lehrten auch nur einen Gott, aber einen solchen, der nicht hören und sehen, der nicht Gebete erhören und das Leben keines Menschen leiten und regieren könne. Die bloße Einheit Gottes hilft uns also nichts, sondern Alles hängt davon ab, welcher Art sie ist. Auch das räumte der Genannte ein. Ich fuhr hieraus fort: „Sie haben erkannt, daß die allgemeine Nächstenliebe der zweite Punkt ist, aus den es im Judenthum ankoimnt. Das Gebot desselben kennen auch wir Christen, und das Wissen von der Nothwendigkcit dieser Liebe ist jetzt überhaupt auf der Welt weit verbreitet. Aber von mir selbst muß ich bezeugen, daß ich trotz alles klaren Wissens um dieses Gebot dasselbe tausendfach übertrete. Und doch nimmt es der heilige Gott so genau mit seinen Geboten, daß er hinter eine jede, große oder kleine Uebcrtrctnng auch nur eines derselben das entsetzliche „Verflucht" gestellt hat. Nun weiß ich aber nicht von mir allein aus langer und schmerzlicher Erfahrung, daß ich von Hause ans selbstsüchtig bin, sondern ich sehe auch, daß cs sich mit jedem andern Menschen ebenso verhält. Liebe und Selbstsucht sind jedoch feindselige Gegensätze, und das Gebot, zu lieben, nicht aber selbstsüchtig zu sein, bringt uns daher auch nur unsere Vcrdammniß vor Gott zum Bewußtsein. Auf den Weg der Bcrdammuiß führt uns alle das große Gebot der Liebe." „Alls dem A. T. aber kennen lvir jedoch auch einen andern