Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 11-12 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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191 Gewonnene wieder verloren zu gehen droht. Möchte das wenigstens Anlaß zum Nachdenken in jüdischen Kreisen geben; sie würden dann es auch besser verstehn, wer ihren Frieden und ihr Heil sucht. Ein Vortrag von Missionsdirektor Platt). Auf der im Monat August zu Berlin abgehaltenen Versammlung der Lutherischgesinnten in der Preußischen Landeskirche hielt der Direktor der Kolhs-Mission daselbst, Lic. Plath, einen Vortrag: Welche Stellung haben die Glieder der christlichen Kirche dem modernen Judenthum gegenüber einzunehmen?, welcher jetzt im Selbstverläge des Verfassers (Berlin, Potsdamer Straße 31) erschienen und für 50 Pf. zu beziehen ist. Dieser Vortrag hat die größte Aufmerksamkeit der christlichen Presse aller Parteien und ebenso die der jüdischen hervorgcrnfen. Thcilen wir deshalb das Wesentlichste aus demselben mit. Der Redner geht von der Thatsache aus, daß gegenwärtig durch die Judenfrage die ganze Christenheit bewegt ist. Eben deshalb gelte es, über dieselbe Klarheit zu gewinnen. Er selbst aber möchte sie vor den Versammelten und mit ihnen im Bewußtsein der Allgegenwart Gottes behandeln. Allerwärts bricht sich die Ueberzeugung in der Christenheit Bahn, daß es bei dem gegenwärtigen Einflüsse des Judenthums unter den christlichen Völkern nicht bleiben könne. Steht doch die Sache mit demselben so, daß der feindliche Gegensatz des Judenthums gegen das Christenthum noch ungebrochen derselbe ist, während sonst ein Volk nach dem andern dem Christenthum zufällt. Ueberdem aber wohnen die Juden inmitten anderer Völker und ganz besonders der christlichen, und sind hier im Ganzen und Großen Schlingpflanzen an den Bäumen derselben geblieben. Das Verhältniß der Synagoge gegen die Kirche hat sich im Wesentlichen gar nicht geändert. Das neuere Judenthum ist ein stammcsartig eigenthümlich gefärbter Unitarismus (die Lehre, daß Gott eine Person ist); durch die demselben mehrfach verwandten Erscheinungen der neueren Philosophie und des christlichen Rationalismus aber hat es, und besonders auf dem Wege der politischen Emancipation, einen bedeutenden Einfluß auf die christliche Umgebung gewonnen. Die Folge hiervon ist die neuere Judcnfrage. Den» bei der erlangten Gleichberechtigung soll cs nicht bleiben, sondern die Alleinberechtigung soll das Ergebniß sein. „Ein Collektivmcssias für die religiöse Zukunft der Menschheit — darum muß der jüdische Stamm erhalten werden." So kommt es nun zum Angriff auf das christliche Leben in allen Gebieten: in denen des materiellen und des ideellen Lebens. Ein Ueberwuchern des jüdischen Kapitals steht deutlich in Sicht; und dazu werden die gelehrten Fächer und Schichten des Volkes