Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 11-12 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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179 als dann die Beschützer des Knaben Einlaß erhielten, sahen sie bereits die Eltern vor dem Könige liegen und demselben unter Weinen und Klagen Vorreden, man habe ihnen das Kind gestohlen und dasselbe so lange beredet, bis es seinen Räubern uachgegeben habe; deshalb riefen sie jetzt den Schutz des Königs an und hofften gewiß, daß er ihnen ihr Kind zurückgeben werde. Während jedoch die Eltern in solcher Weise aus den König einstürmten, trat der Knabe hervor und überreichte seine Bittschrift. Der miterschienene Proselyt aber bat, daß es ihm erlaubt sein möge, den wirklichen Sachverhalt darzustellen; und als ihm dies gewährt worden, schilderte er den ganzen Verlauf der Dinge, seine Worte unterstützte aber der Kleine mit Bitten und Thränen. Nachdem so der König einen klaren Aufschluß über die wirklichen Vorgänge erhalten hatte, entschied er, daß gegen den Knaben kein Zwang geübt werden solle, daß jedoch die Eltern ihr Kind zurückempfangen sollten, wenn sie auch selbst mit ihm Christen würden. Letzteren Gedanken nun wiesen die Eltern zurück; sie erklärten dem Monarchen, daß sie als Juden geboren seien und als Juden auch sterben wollten. Der König antwortete ihnen, daß er ihnen unter diesen Umständen nicht helfen könne; aber er müsse ihnen allerdings auch bezeugen, daß, wen» sie Juden bliebe», sie mit andern Juden verloren gehn würden. Der König wandte sich hieraus hinweg und wollte gehn; der Proselyt aber bat ihn, noch in Gnaden ein Wort anzuhören. Er woll? ihn daran erinnern, daß einst König Salomo ein Urtheil über ein Kind gefällt habe, an welches man noch heute gedenke; den möge er sich nun zum Beispiele nehmen und sein Urtheil in gleicher Weisheit ergehn lassen. Der König hörte diese Worte gütig an und entfernte sich alsdann. Bald darauf aber erschien ein königlicher Befehl, dahin lautend, daß die Juden hinfort nichts mehr gegen den Knaben unternehmen sollten; werde irgend etwas der Art von ihnen versucht werden, so würde es die Gemeinde büßen müssen. Und damit hatten denn die Nachstellungen gegen den Knaben ein Ende. Der Kleine wurde hierauf unter die Zahl derjenigen Kinder aufgenommen, denen die Königin eigene Lehrer hielt, und so erhielt er eine treffliche Erziehung. Den Juden wurde zu gleicher Zeit jedoch auch a»gezeigt, daß volle religiöse Freiheit Jedermann 12*