Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 11-12 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Knaben einigemale mit sich in die Kirche. Das bemerkten die Inden und beschlossen deshalb, den beiden eines Sonntags aufzulauern, um sich des Knaben mit Gewalt zu bemächtigen. Der Knabe aber wurde seinen Vater auf dem Wege zum Gottcshause gewahr und umklammerte nun des Bürgers Füße in seiner Herzensangst, dabei laut schreiend. Erschrocken blickte der Bürger sich um und rief nun auch mit lauter Stimme: „Gewalt, Gewalt!" In Folge dessen sammelten sich einige Christen um die Beiden, und die Juden, welche so ihren Plan vereitelt sahen, machten sich schleunigst aus dem Staube. Nach diesem Vorgang berieth sich der erwähnte Bürger mit einem Proselyten, wie es anzufangen sei, um dem Knaben Sicherheit zu verschaffen; denn er fürchtete, die Inden könnten in das Haus eindringen und den Kleinen wegschleppen, nachdem sie sogar vor einem Ueberfall auf offener Straße nicht zurückgeschreckt waren. Der Proselht aber schlug vor, sein Freund möge im Namen deö Knaben eine Bittschrift aufsetzen und dieselbe dem Könige selbst überreichen. Ans diesen Rath ging der Bürger ein, und erfolgte daraus die Anweisung des Königs, der .Knabe solle durch den Proselyten vor den Landesherrn geführt werden und selbst seine Bittschrift übergeben. Beide machten sich deshalb auf den Weg zum Schlosse. Als sie die Stufen desselben Hinaufstiegen, gerieth der Knabe in große Angst und drängte seinen Begleiter auf die andere Seite, denn er wurde seinen Vater gewahr. Der Bürger sowohl als der Proselyt hatten die Sache völlig geheim gehalten, um so mehr waren dieselben verwundert, daß der Vater des Knaben sie erfahren haben sollte. Ihr Zureden beruhigte jedoch ihren Schützling, und derselbe gewann wieder Muth. Im Schlosse angekommen, aber fanden sie daselbst die Mutter des Kleinen vor; dieselbe wartete im Vorgemach auf eine Audienz und wollte sich durch einen Fußfall ihr Kind zurückerobern. Ohue zu wissen, daß in derselben Stunde ihr Sohn mit seine» Beschützern den König um Entscheidung anrufen wollte, war die Frau in das Schloß gegangen, und beide Theile also wollten zu gleicher Zeit das Urtheil des Königs für. sich erwirken. Die beiden Freunde des Knaben wünschten n»n vor den Eltern die Audienz zu erlangen, aber dieselben wußten sich vorzudrängen; und