Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 11-12 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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176 theilt Miss. Manitius aus einer Stadt, die offenbar Kopenhagen ist, eine merkwürdige Bekehrung einer jüdischen Familie mit, welche durch den achtjährigen Sohn derselben herbeigeführt worden ist. In jener Stadt lebte ein armer Jude aus Hessen, dessen kleiner Knabe vielfach mit Christenkindern umging und sich in Folge dieses Umgangs selbst getrieben fühlte, ein Christ zu werden. Eines Abends im Winter spielte er wieder mit den christlichen Kameraden, als der Nachtwächter vorüberkam und einen Vers sang, der in deutscher Ucbersetzung etwa so lautete: Nun geht der Tag herunter. Die Nacht kommt nun herbei; Vergieb um Jesu Wunden Unsre Sünden, O milder Gott! Dieser Vers tönte in dem Ohre des Knaben weiter nach, er sang ihn wiederholt und singend ging er nach Hanse. Unterwegs begegnete ihm sein Vater, der hörte die für ihn entsetzlichen Worte aus dem Munde seines Sohnes und wurde darüber so entrüstet, daß er ihn auf offener Straße schlug, dann aber ihm gebot, mit ihm sogleich nach Hause zu kommen. Der Knabe folgte auch dem Vater, beschloß aber unterwegs, nicht mehr in das elterliche Haus zurückzukchren, wo es ihm verwehrt sein würde, solche Lieder zu singen und Jesnm lieb zu haben. Als daher der Vater in die Hausthüre trat, nahm der Sohn die Gelegenheit wahr, plötzlich zu cntfliehn. Geschwind eilte er davon, aber der Vater ihm nach. Von Gasse zu Gasse rannte der Kleine, der Alte immer hinter ihm her, konnte ihn aber nicht einholen; schließlich verlor derselbe ihn bei der Dunkelheit des Abends aus dem Gesicht und mußte daher unverrichteter Sache nach Hause zurückkehren. Der Knabe irrte indcß in den Straßen der Stadt umher. Ein Student sah ihn zu dieser späten Zeit umherlaufen und trat deshalb an ihn mit der Frage heran, ob er denn nicht nach Hause gehn wolle? Der Knabe gab eine verneinende Antwort. Verwundert frug ihn darauf der Student, was der Grund hierzu sei, nnd was sein Vater wäre? Treuherzig entgegnete der Kleine: „Mein Vater ist ein Jude, ich aber will ein Christ werden!" Das war dem Studenten jedoch auffällig, und er hielt dem Knaben vor, daß er gewiß etwas Böses begangen habe» würde, wofür er nun