Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 11-12 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554868-2554875--07698-2563717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 ist. Professor Callenberg erhielt nämlich unter dem 4. Juli 1743 einen Brief von einem Pastor in der Altmark, der ihm Folgendes mittheilte: „Des jüdischen Pitschierstechers Frau kam unvcrmuthet zu mir und eröffnete mir ihre geistliche und leibliche Roth unter vielen Thränen, wonach sie mich denn bat, ihr eine Beisteuer zu besorgen. Sie entdeckte mir, daß sie nach der Zeit, daß ihr Mann mit mir die bekannten Gespräche gehalten, keine Ruhe gehabt habe; daß ihr Manu Tag und Nacht seufze, seine eigentlichen Anliegen und Scrupel aber ihr nicht entdecken wolle, wodurch denn ihre eigene Angst und Unruhe auch immer vergrößert werde. Da ich ihr den einzigen Weg zur Ruhe in den Wunden des Heilandes aus Jesaia 53, Psalm 130. 132 u. s. w. vorletzte, und an dem Exempel Davids zeigte, vergoß sie unter solcher Rede viele Thränen. Endlich eröffnete sie mir, daß ihr einziger Bruder Copilius Liepmann, ein gewesener Jude, schon vor einigen Jahren zu Jevern sich habe taufen lassen. Sie erzählte weiter: sie habe denselben einst heimlich ohne Vorwissen ihres Mannes gesprochen, und seine beweglichen Reden und vergossenen Thränen seien ihr dermaßen auf's Herz gefallen» daß sie seit der Zeit an der Wahrheit des jüdischen Glaubens gezweifelt, welche Zweifel durch meine Gespräche mit ihrem Manne sehr vergrößert worden seien. Sie bat mich innigst, an Ew. Hochwürden zu schreiben, ob Sie ihr nicht von ihrem Bruder Copilius Nachricht geben könnten; denn sie sei willens, denselben mit ihrem Mann aufzusuchen und sich von ihm in der christlichen Lehre unterrichten zu lassen. Ich kann Ihnen nicht verbergen, daß mir bei ihrem Bezeigen und Vorgeben mancher Scrupel aufstieg; und da sie mich zuletzt um Geld ansprach, zweifelte ich in meinem Herzen an ihrer Aufrichtigkeit und sonderlich an dem, was sie mir von ihrem Bruder erzählte. Da ich mich nun hinsetzte und an Ew. Hochwllrden schreiben wollte, kam ein gewisser Studiosus und brachte mir die 11. Relation, welche ihm von Halle geschickt war. Wie ich in derselben ein wenig blättere, fällt mir der Name Copilius Liepmann S. 101 in die Angen. Ich finde da den ganzen Lebenslauf dieses Proselyten genau so, wie mir seine Schwester denselben erzählt hat. Ich kann nicht sagen, wie sehr mein Gemüth durch diesen Vorfall gerührt worden ist. Und da die Frau schon zweimal hatte Nachfragen lassen, ob ich nicht von ihrem Bruder Nachricht wüßte,