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Dibre Emeth · 1881-01-01 · 11-12 (1881) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
11-12 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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169 sondern zu erfüllen (Matth. 5, 17), worauf wir ihnen aber diese Erfüllung deuteten. In vielen jüdischen Dörfern fanden wir die amharische Bibel, und wenn wir die Falascha fragen, woher sie dieselbe bekommen haben, sagen sie uns: „Herr Flad hat sie uns gegeben!" und können gut lesen und wissen alle Stellen vom Messias. Viele sagen: „Gott schenke den Missionaren das ewige Lebe», daß sie aus fernem Laude die Bibel in unserer Muttersprache gebracht haben." Diesen Ausspruch hörte ich oft bei unserer Reise nach Agau. Wir mußten aus derselben immer im Freien schlafen, weil ein Christ, wie Sie wissen, in ein Falaschahans nicht hinein darf. Kultur und Civilisation sind unbekannt in diesen Ländern. In einem Hause wohnen Menschen, Kühe, Hunde nnd Esel. Die Kleidung der Bewohner ist ein einfacher Umwurf, nur die sehr reichen haben Scham« (baumwollener Umwurf mit rothem Streif), aber ihre Kleider sind schmutzig und ekelhaft anzusehen, ihre Häuser sind Strohhütten. Die Christen beschäftigen sich mit Ackerbau, die Juden mit der Weberei. Als wir in Agau ankamen, sagten uns die Kauflcute, daß wir schnell marschiren sollten, weil Räuber hier seien. Debtera Aleme und ich mußten die Esel vorwärts treiben. Von hier aus hörten wir die Agau - Sprache, die sehr viel Achnlichkeit mit der Falaschasprache hat; sie ist wohlklingend, aber scheint sehr schwer zu erlernen. Abends kamen wir nach Seguda, einer Hauptstadt in Agau. Bei den Juden schlugen wir unser Lager auf und wurden von den Falascha freundlich ausgenommen, die uns auch ein Nachtessen gaben. Am folgenden Tage kamen ans der Ferne viele Juden, um uns zu hören und den berühmten Debtera Beroo zu sehen und aus seinem Munde die Schrift zu hören. Einige sagten: >,Bist du denn Debtera Beroo, von welchem wir gehört haben?" Andere, welche ihn früher kannten, frugen ihn: „Warum bist du so alt geworden?" Seine Haare sind nämlich fast alle grau geworden. Vom Morgen bis zum Abend predigten wir ihnen. Wir blieben hier drei Tage, hatten aufmerksame Zuhörer, was uns sehr freute, und gesegnete Tage. Die Falascha hier sind einfältig und -sehr freundlich. Wir gingen von hier nach Taara. Als wir daselbst ankamen, wollten die Juden uns nicht hören, weil

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