Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 cs zu den besonders erfreulichen Erfahrungen, welche die jetzt allgemein sich geltend machende Empfindung, daß die Judenfrage eine gewaltige Frage ist, hcrvorgerufen hat, daß unter den Christen wachsende Theilnahme fiir die Judeumission zu erwachen beginnt. So wird aus Danzig, aus Breslau, aus Straßbnrg, aus Smyrna berichtet. Viele Christen fühlen es, daß die Judenmission einer der ernstesten christlichen Aufgaben praktisch näher getreten ist, und die Mission wird ihnen zn einem Gewisscnsstachel, sie wird ihnen zu einer Mahnung au eine zu lange vergessene Pflicht, und sie findet daher mehr Gehör als zuvor. Nicht wenige Missionare erkennen dies mit Dank und Freuden an und sagen es sich um so mehr, daß sie jetzt an einem wichtigen, cntscheidungsreichen Werke Mitarbeiten. Freilich, das Bewußtsein muß erst noch viel klarer unter den Christen erwachen, daß sie ihren Kampf mit den Juden mit dem Evangelium in der Hand zu führen haben, und darum muß das Zeugniß, welches zur Mission unter Israel ruft, noch viel heller und allgemeiner in den Christengemeinden erschallen. Wird dies der Fall sein, dann werden auch die Gewissen der Juden viel mächtiger getroffen werden, und dann werden die ernsteren Eindrücke, welche sich da und dort unter denselben wohl wahrnehmcn lassen, vertiefen. Die Thatsachc ist aber ersichtlich: Durch die gegenwärtigen Erscheinungen und Erfahrungen sehn sich so manche Juden zum Nachdenken gerufen. „Der Sturm", schreibt Dr. Biescnthal in Leipzig, „hat sie aus dem Schlafe geweckt, aus ihren Friedens- und Machtträumen. Sic haben jetzt erfahren, was über sie die Leute denken. Daß jedoch das Ergebniß ihre Buße und Sclbsterkcnutniß sein wird, ist um so zweifelhafter, als sie sich selbst für ziemlich tadelfrei betrachten." Das gilt allerdings zunächst noch für die große Masse unserer Juden, aber die Thatsachc bleibt deshalb auch für sie bestehn, daß ihre Ruhe und Sicherheit sehr gefährdet sind. Des Missionars als des besten Freundes der Juden Pflicht aber ist cs gerade jetzt doppelt, denselben die Zeichen der Zeit zu deuten. Miss. Island in Warschau that das z. B., als ihn« einige Juden zugestanden, daß die wachsende Erbitterung der Christen gegen die Juden doch auch eine Strafe für ihre Sünden sei.