Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1881-01-01 · 9-10 (1881) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
9-10 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554868-2554874--07674-2563692
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

151 bei einem der Pastoren machte. Miss. Bachert unterdeß den Juden besuchte, n'm ihm ein Neues Testament zu bringen! Und nun der andere Fall. Derselbe Missionar sitzt eines Tages in einer Restauration und liest die Zeitung. Da tritt ein junger wohlgekleideter Jude an ihn heran und redet ihn an: „Darf ich Sie wohl sprechen, Herr Pastor?" „Gewiß!" antwortete jener. „Erinnern Sie sich noch an R., der zu Ihnen in den Unterricht kam?" „Ja wohl!" und indem Pred. Bachert ihm in's Angesicht sah, erkannte er den Mann, der ihn einige Jahre vorher plötzlich verlassen hatte. „O, wie viel habe ich Ihnen zu danken! Wie sehr bin ich Ihnen verpflichtet! Ich verließ Sie und ging nach Amerika, hoffend, damit auch die Gedanken an das Christenthum loszuwcrdeu. Aber dort fand ich keine Ruhe. Ihr Unterricht und Ihre Freundlichkeit hatten einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, und ich begab mich zum zweiten Male in Unterricht, in dem ich, Gott sei gedankt, auch gefunden habe, daß Jesus mein Gott und Heiland ist. Ich wurde getauft, und seit der Zeit hat mich Gott reich gesegnet. Jetzt bin ich auf dem Wege nach Wien in einem wichtigen Geschäftsauftrage für meinen Prinzipal; wenn ich zurückkehre, null ich Sie wieder besuchen, was ich überhaupt auch gethan hätte, wen» Sic mir nicht hier begegnet wären." Bei diesen Worten legte er eine 100-Mark-Banknote in Miss. Bacherts Hände mit der Bitte, sic nach seinem Belieben zu verwerthen. Pred. Hefter in Frankfurt a. M. taufte einen blinden Juden, der Jesum als de» Gottmenschen, den Heiland Israels erkeuneu gelernt hat und der nun ein freimüthiges, volles Bekenntniß dieses seines Glaubens vor seinen jüdischen Wohlthäteru ablegte, die ihn in Folge dessen von sich stießen. „So sich selbst überlassen, blind, arm und krank, war er doch niemals niedergeschlagen und ermuthigte oft den Missionar durch seine trefflichen Bemerkungen. Er zeigte nie eine Sorge oder Furcht für seine Zukunft, während doch, ehe er Christ wurde und wohl versorgt war, das gerade Gegentheil stattgefundcn hatte. Damals äußerte er oft Unzufriedenheit mit seinem Loose und Befürchtungen für seine Zukunft; aber nach seiner Bekehrung geschah solches nicht ein einziges Mal. Er mußte eine ernste Krankheit durchmachcn und sich einer sehr schmerzhaften Operation unterziehen, aber ich fand ihn immer glücklich und voll Vertrauens. Ja, es war ein beweglicher Anblick, als er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.