Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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150 mich Ihnen erzählen, wie ich dazu kam, etwas vom Christenthum zu erfahren. Vor etwa 5 Jahren ließ sich ein junger Freund von mir mit zwei Fremden in ein Gespräch über den Unterschied zwischen Christcnthuin und Judcnthum ein. Da die Schwester desselben sah, wie sich die zwei Fremden mit ihrem Bruder unterhielten, nahni sic an dem Gespräche theil, wobei sie denn fast eine Stunde den Männern zuhörte, die von der Liebe Gottes, vom Messias und der Nothwendigkeit, einen Heiland zu haben, der uns von unfern Sünden zu erretten kam, redeten. Die Männer ginge» ihre Straße, aber der Eindruck blieb im Herzen, und die ganze Nacht schien es den Geschwistern, als wenn sie wieder mit jenen Männern redeten, und daß es ihr Verlangen wäre, sie noch einmal zu sehn, um von ihnen mehr über die Liebe Gottes zn hören. Da kam zu ihrer großen Freude einer der Herren am nächsten Morgen noch einmal und gab meinem Freunde ein Neues Testament, woran er die Ermahnung knüpfte, daß jener doch, so oft er dies Buch lesen würde, Gott bitten möchte, ihm die Augen zu erleuchten nnd den rechten Weg zu zeigen. Und denken Sie, mein Herr, dieser Mann war ei» bekehrter Jude und auch ein Missionar wie Sie selbst. Meinen Freund zog das Buch in Folge des Gespräches desto mehr an, aber den Missionar sah er nicht wieder. Nun ging einige Zeit dahin, und mein Freund wurde sehr krank. Ich besuchte ihn. Da zog er eines Tages ei» kleines Buch unter seinem Kissen hervor und sagte mit zitternder Stimme: „David, ich weiß, meine Tage sind gezählt, nnd daß ich sterben muß; so wisse nun aber auch, daß ich nicht als Jude sterbe, wie es meine Eltern immer dachten, daß es der Fall sein werde. Nimm dieses Buch und lies es, lies cs sorgfältig und bitte Gott, deine Augen zu erleuchten und dir den rechten Weg zn zeigen. O, ich fühle mickglücklich, sehr, sehr glücklich! Versprich mir, dieses Buch zu lesen!" — Und damit überreichte er mir dasselbe. Und, mein Herr, so fügte jener Mann hinzu, ich habe cs gelesen, und durch dasselbe bin ich zu der Erkenntniß gelangt, die ich jetzt besitze." Prcd. Bachcrt aber erinnerte sich, daß er im Jahre 1877 in Begleitung des Prediger Dr. Klee eine Missionsrense durch Hannover machte, und daß sie während ihres Aufenthaltes daselbst eine jüdische Familie besuchten, Bruder und Schwester, mit denen sie ein sehr ernstes Gespräch hatten, und daß, während I)r. Klee am nächsten Tage eine» Besuch