Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1881-01-01 · 9-10 (1881) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
9-10 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554868-2554874--07672-2563690
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

149 Skolkowski begegnete einigen russischen Juden, die zugänglicher als die incisten andern waren. Gefragt, wie sie zu ihren Ansichten gekommen seien, antworteten sie, daß sie eine Zeitlang Verkehr mit frominen Christen gehabt hätten, besonders mit einigen adligen Grundherren aus ihren Gütern, wo sic sich zeilenweise zwei oder drei Tage aufhielten und den festen Glauben derselben au ihren Gott und Heiland, ihre Lauterkeit in allen Geschäften, ihre Sanftmuth und Güte gegen die geringsten ihrer Untergebenen beobachten konnten, und wie das alles einen so großen Gegensatz zu dem bildete, was sie selbst unter den ernstesten Juden sähen und bemerkten. Sie waren davon so betroffen, daß sie sich nicht enthalten konnten nachzuforschen, was der Beweggrund für ein solches Thun und Handeln derselben wäre. Die Antwort war stets: „Die Liebe und daö Leben unsers Heilands ist es, dem wir nachzuahmen uns beniühcn, so gut wir es vermögen." Das veranlaßte sie, das Neue Testament, das sic von einem jüdischen Freunde empfingen, hebräisch zu lesen. „Hier", sagten sie, „trat uns nun der Gegensatz in seiner vollen Stärke entgegen. Selbst Moses schrie einst zum Herrn, daß ihn das Volk steinigen wolle, weil er sie ermahnte zu schweigen und fest an ihren Gott zu glauben und ihm zu trauen; während sich die Apostel freuten, daß sie würdig erachtet wurden, Schmach um der Wahrheit willen zu leiden (Apostelgeschichte 5, 4); und die Demuth und Freundlichkeit, welche sie an dem Stifter der christlichen Religion gegen die Armen, Sünder und Kinder erblickte», erregte nun ihre Aufmerksamkeit." Alle diese Eindrücke führen denn auch immer noch einzelne hin und her zum Durchbruch. Pred. Bachert in Hamburg erzählt hiervon zwei treffliche Beispiele aus seiner jüngsten Erfahrung. Auf einer Missionöreise inachte er in Hannover die Bekanntschaft eines sehr achtungswerthen Juden. Im Laufe des Gesprächs bemerkte der Missionar mit Freuden, wie völlig der Jude an den göttlichen Ursprung der christlichen Religion glaubte. Der Ernst in dem Ton und der ganzen Art seines Benehmens, sobald derselbe von Christo sprach, veranlaßte den Missionar zu sagen: „Man sollte denken, Sie wären fast ein Christ". „Fast ein Christ", antwortete jener, „lassen Sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.