Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Juden an dem Sabbathe derselben, und luden selbst ihre jüdischen Bekannten zu diesem Gottesdienste ein. Am festgesetzten Tage und zur festgesetzten Stunde erklang die Kirchenglocke, und 68 Juden kamen außer zahlreichen Bulgaren. Ein jüdischer Gensdarm hielt an der Kirchenthür Wache, um Ordnung zu erhalten, seine Dienste aber wurden nicht gebraucht. Daniel 7 und Matthäus 10 wurden verlesen und gepredigt über Gottes Sorge für sein Volk, über Israels vielfachen Abfall zum Götzendienst, seine große Sünde, daß es den Herrn der Herrlichkeit kreuzigte, und daß der Tag der Gnade noch verlängert worden ist, so daß jeder glauben und an den durch Christi Tod erworbene» Wohlthaten theilhaben kann. Nach einem Gebet sangen dann die Bulgaren ein Lied. Damit endigte der Gottesdienst, und die Juden traten nun heran, dem Missionar die Hand zu reichen. Wiederholt wurde er von ihnen in ihre Häuser eingeladen, wo dann Juden und Jüdinnen versammelt waren, das Wort Gottes zu hören. In einem Hause sagte der Wirth: „Fast alle von uns kennen das Neue Testament, aber etliche Stellen in demselben sind schwer zu verstehen, z. B. die, wo Jesus dem jungen Mann sagt, er solle alles verkaufen, was er habe — denn war dies nicht zu viel verlangt?" In einem andern Hause sagte der Besitzer desselben: „Wir bedürfen eines Missionars, der uns predigt, und der eine Schule eröffnet, in welcher unsere Kinder Gott erkennen lernen können. Die Juden unserer Stadt kennen den Werth des Christenthums; wenn sich ein Jude bekehrt, so könnte er seine Erkenntnis den andern mittheilen." Ein junger Ladcnbesitzer lud den Evangelisten an zwei aufeinander folgenden Tagen ein, in seinem Laden Schriften zu verkaufen und mit den Juden zu sprechen, wobei er dann selbst den Leuten zum Kauf zuredete. Jedes Jahr liefert denn auch in der Türkei neue Beweise, daß dort von vielen Juden das Neue Testament gelesen wird; und nicht selten entdecken sich solche dem Missionar als Leute, die im Geheimen schon zu glauben angefangen haben, während so mancher andere seine Gründe für religiöse Ansichten mit Stellen des Neuen Testaments beweist. Ebenso aber verfehlt die Predigt des Lebens treuer Christen auf manches jüdische Gemüth seinen Eindruck nicht. Missionar