Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Pred. Stern weift deshalb darauf hin, daß die Zahl der Anden fortwährend wächst, die offenbar ein Verlangen danach tragen, genauere Belehrung über das Evangelium zu erhalten. Biele derselben nahmen von ihm — und setzen wir hinzu, überall, wo Missionare wirken — christliche Bücher entgegen, andere besuchen die von ihm in London gehaltenen Bibelstundcn oder suchen ihn spät Abends auf, um mit ihm über die Schrift zu reden. Am Vorabend des jüdischen Versöhntages veranstaltete Pred. Adler in der Missionskapelle zu Amsterdam einen besonderen Gottesdienst, und bei demselben fanden sich zahlreiche Juden aus allen Gesellschaftsklassen und Bildungsschichten ein, die mit unermüdeter Aufmerksamkeit die Predigt des Missionars über die wahre Versöhnung durch das Blut Christi anhörten. Bedeckten Hauptes standen sie da und warteten bis zum Schluffe des Gottesdienstes. Prediger Bernstein in Liverpool erzählt, wie ihn ein Jude eingeladen habe, in seinen Laden einzutretcu, und ihm dann spöttisch eine Kiste als Kanzel anbot, worauf er seine Frau und Tochter rief, die Predigt des Missionars anzuhören und in ihrer eigenen Kirche bekehrt zu werden. Prediger Bernstein aber ergriff die Gelegenheit und predigte ihnen die schreckliche Gerechtigkeit wie die unendliche Gnade Gottes, und das gehörte Wort machte ans alle einen solchen Eindruck, daß alles Spotten bald ein Ende hatte. Auf seinen Reisen in der Provinz Preußen kam der Kolporteur der Mission zu einem Schneider, mit dem er ein eingehenderes Gespräch hatte. „Wir glauben an einen zukünftigen Messias!" bemerkte schließlich der Jude. „Ja," antwortete ihm der Kolporteur, „er wird wicdcrkommen, aber in seiner herrlichen Majestät. Lesen Sie Sacharja 12. 13., 1. Mose 49, 10. Daniel 9, 26: „Das Sccpter ist gewichen"; und alle diese Sprüche sollten jeden aufrichtigen Juden überzeugen, daß Jesus, deu eure Väter gekreuzigt haben, euer verheißener Messias ist, der zuerst zum Leiden kommen sollte, wie Jesaia 53 es beschreibt." Der Jude sprach kein Wort mehr, stand auf, wischte eine Thräne aus dem Auge und sagte uns gute Nacht. Am folgenden Morgen ging ich bei seinem Hause nach der Eisenbahn vorbei. Bald darauf hörte ich eine Stimme hinter mir, es war der Jude von gestern, fast außer Athem. „Ich sehe, Sie verlassen »ns, sagte er; deshalb wollte ich von Ihnen Abschied nehmen. Wer weiß, ob wir uns in dieser Welt Wiedersehen werden.