Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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145 nicht gebrochen ist, sondern sich mit aller Macht, obwohl nicht mit rechter Gcmiiths- und GewissenSruhe, gegen die Ergebung wehrt. Wieviele solcher jüdischen Familien gehn doch aber auch allmälig in das christliche Lager über, deren Uebcrtritt noch nicht die Folge einer gründlichen Bekehrung, sondern nur die Anerkennung ist, daß das Jndenthum eine verlorene Sache ist. So wurde Miss. Rosenstrauch in Köln von einem jüdischen Bekannten ans der Straße angesprochcn, der ihm von dem Tode des reichsten jüdischen Bankiers daselbst erzählte und dabei beklagte, daß mit seinem Tode dessen ungeheuer reiche Familie aufgehört habe, eine jüdische zu sein, da alle seine Kinder und übrigen Familienglieder getauft wären. Noch drei andere reiche Juden sind ttberdem im vergangenen Jahre in Köln Christen geworden. Auf die an diese Vorgänge sich schließende Bemerkung des Missionars: „So scheint das Judenthum unterminirt zu sein?" antwortete jener Mann: „Ja, das ist besonders bei den Reichen der Fall, unter denen einer nach dem andern Übertritt". Hat doch auch der Einfluß des bürgerlichen Lebens z. B. auf die Familie des Vaters der heutigen Reform, Mendelssohn, einen solchen Einfluß ausgeübt, daß jdtzt alle Glieder derselben Christen sind, und unter ihnen einer evangelischer Geistlicher, wie denn überhaupt viele Nachkommen der oft aus äußerlichen Gründen Uebcrtretenden innerlichst mit der Kirche verwachsen. Es ist denn auch kein Grund, mit dem Zeugnis) an die Juden aufzuhören, vorhanden. Pred. Stern in London bemerkt ganz richtig: „Geduld, Ausdauer und Fürbitte dürfen nicht «blassen; sie sind auf allen Missivnsgebieten unerläßlich, besonders aber in der Judenmission. Phantastische Vorstellungen soll man nicht hegen, aber das jüdische Herz ist guten Eindrücken nicht unzugänglich und ist für die scligmacheude Ueberzeugung nicht unempfindlich. Was der Missionar zu thun hat, ist: das Evangclimn ihnen predigen, und wenn er in der Ausübung seiner heiligen Pflichten treu ist, so darf er nicht befürchten, daß seine Kraft und Arbeit für nichts aufgewendet werden würden." 10