Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1881-01-01 · 9-10 (1881) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
9-10 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554868-2554874--07667-2563685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

144 Jude»: „Während Gleichgiltigkeit und Unglaube unter ihnen reißende Fortschritte machen, hegen sie keineswegs freundlichere Gefühle gegen den Stifter des ChristenthumS oder gegen diejenigen ihrer Brüder, welche dasselbe ergreifen; im Gegenthcil, durch ihre Borurtheile blind geworden, schreibe» sic denselben die schlechtesten Beweggründe zn, sagen die bittersten Dinge über die Missionare aus und lassen nie eine Gelegenheit vorüber, ihre Verachtung gegen den Meister und seine Jünger und Nachfolger an den Tag zn legen." In Königsberg gestanden dem Missionar Skolkowski zwei russische Juden: „Sie haben alle unsere Fragen beantwortet und unsere Einwürfe widerlegt, aber wenn wir uns selbst fragen, warum wir die christliche Religion nicht annchmen könne», so müssen wir sagen, wir empfinden gegen dieselbe in nns eine Abneigung. Wir nennen dies „Vorurtheil"; in Wahrheit, wir geben cs selbst zn, ist cö nichts als ein verborgener Stolz; wir wollen nicht von ander» Völkern lernen, was Religion ist, denn wir sind selbst das alte auserwählte Volk." Nicht so starke Naturen geben freilich eher nach, wenn auch oft noch nicht so, daß sie sich, als arme Sünder und in Anerkennung ihres verlorenen Zustandes, innerlich zu Christo ziehen lassen, sondern nur so, daß sie die gewaltige Macht des C^riste»- thums über die Menschheit cinräumen und dem durch ihren Uebertritt eine Folge geben. Fälle der Art sind in der That nicht seltene. So erwähnt I)r. Biesenthal aus Leipzig einen wissenschaftlich gebildeten Mann, der offen bekennt, er wäre lieber als Christ geboren, daß er auch das Christenthum für die Religion der Zukunft halte, und daß seine Kinder, jedesfalls aber seine Enkel, Christen werden würden — eine Ueberzcugung übrigens, die man ganz in derselben Weise sehr oft von Juden ausgesprochen hört; denn das Sclbstrühmen und Verherrlichen des Judenthumö kommt nicht aus der Kraft des heil. Geistes, sondern ist ein fleischlicher Versuch, sich gegen die Herzen und Gewissen durchdringende Macht des Evangeliums zu wehren. Eben daher findet sich oft bei denselben Leuten »eben der Erhebung des Judenthums die Furcht, daß endlich doch das Kreuz siegen wird. Unvermittelt treten uns beide Erscheinungen unter den heutigen Inden entgegen und sie verrathen den Kampf des Herzens, das noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.