Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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_143 bewußt, welche sie den wohlwollenden und erhebenden Grundsätzen des Evangeliums schulden. Sie betrachten Christum nicht mit Gleichgiltigkeit, sondern mit Verehrung und Liebe. Sie bewundern seine Sittcnlehre und gestehen selbst zu, daß seine Lehren zu dem unüberwindlichen Sehnen des Herzens nach Frieden, Unsterblichkeit und Vereinigung mit Gott sehr wohl stimmen. Hier aber endigen auch ihre Zugeständnisse. Seligmachendc Eindrücke von der Wahrheit haben sie nicht und die Last der Sünde und die Nothwendigkeit eines Erlösers fühlen sie nicht. ' Religion ist ihnen mehr ein Gegenstand des vernünftigen Forschens, als ein gebieterisches Gefühl und Bewußtsein einer unruhig gewordenen und sich ängstigenden Seele. Das Judenthum mögen sie nicht, aber um die Ansprüche, welche das Christcnthum an sie zu machen hat, kümmern-sie sich nicht. Die Welt ist ihr Tempel, Wohlstand und Vergnügen sind die Götter, welche sie anbetcn. Es ist traurig zu sehn, wie Menschen, die in weltlichen Dingen scharfsinnig und überlegt sind, gar kein Gefühl für alles das haben, was die Wohlfahrt ihrer Seele angeht. Ohne Zweifel aber muß diese Lauheit zu einem Thcile wenigstens der todteu und mechanischen Form der Religion, unter welcher sie aufgewachsen sind, zngeschricben werden." Und weiter fügt Pred. Stern hinzu: „Es gab eine Zeit, und dieselbe liegt noch gar nicht weit hinten, wo der heilige Name, der über alle Namen ist, hinreichte, den Inden zu erschrecken. Man fürchtete sich, das Nene Testament zu berühren, und vermied sorgfältig eine christliche Kirche. Jetzt schwinden derartige Empfindungen. Der alte Aberglaube weicht, und nachdenkliche Leute schütteln überall die Ketten der entwürdigenden rabbinischen Knechtschaft ab; die größte Zahl ist des Glaubens der Synagoge müde und versinkt in Gleichgiltigkeit und Unglauben — zu etwas Besserem kommen sie nicht." Aehnliches hören wir von Pred. Bachert in Hamburg: „Die meisten Juden sind in ihren eigenen Gedanken weise und fertigen das Christcnthum mit wenigen Worten ab. Sic erklären ein Wunder für eine Abgeschmacktheit, einen Widerspruch, eine Unmöglichkeit, und da ein Wunder nicht wahr sein könne, so müsse das Christenthum, das seine vollständige Abhängigkeit von Wundern selbst anerkennt, falsch sein." Auch Missionar Eppstein in Smyrna schreibt über die dortigen