Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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140 theil, daß man bei ihm ein gewisses Interesse für die Juden voraussetzt; und nachdein die Religion einmal ganz allgemein wieder Gegenstand der Verhandlung zwischen Juden und Christen geworden ist, nimmt man gerade bei dem Missionar viel leichter an, daß er auch auf die jüdischen Gedanken und Ansichten eingehen wird. So hat sich denn die heutige Bewegung gegen die Juden wenigstens darin für das Missionswerk als vortheilhaft erwiesen, daß sie dem vornehmen Uebcrsehcn der Religion ein Ende gemacht hat, und es den Juden nicht mehr so leicht ist, diejenigen, welche sie auf diesen wichtigsten Gegenstand Hinweisen, als Scelenfänger abzufcrtigcn. Freilich hat deshalb aber die Mission durchaus noch nicht an Zuneigung unter den Juden gewonnen. Biele der reicheren unter ihnen, die Christen werden wollen, lassen sich, wie Pred. Wolkenberg in Manchester richtig bemerkt, schon deshalb nicht gern von Missionaren taufen, weil sie alles Aufsehen vermeiden wollen und gewöhnlich leichter und in kürzerer Zeit durch die Pfarrgeistlichcn zum Ziele geführt werden. Der Mission fallen eben deshalb auch überwiegend die Taufen der einfacheren und ärmeren Taufkandidaten zu. Aber nicht selten tritt die weit verbreitete Abneigung gegen das Christenthum doppelt verschärft in der Feindschaft gegen die Mission zu Tage. Pred. Lotka aus Lemberg theilt mit, wie er auf einer Missionsreise in Galizien von etlichen jüdischen Fanatikern bei der Obrigkeit angezeigt wurde, als habe er, indem er die Juden bat, dem zukünftigen Zorn zu entfliehen, gegen die Staatsgesetze gehandelt. In Tarnopol nahm man deshalb mit ihm ein Protokoll auf, das man nach Lemberg sandte; in Brody aber untersuchte man das ganze Gepäck der Missionare genau, und alle ihre Bücher wurden mit Beschlag belegt, und ein Prozeß wegen Austheilung von Traktaten gegen sie eingeleitet. Sie mußten zu ihrer Verantwortung nach Zloczow wandern, und dort wurde jedem in Anbetracht dessen, daß sie als Ausländer wahrscheinlich das in Oesterreich bestehende Verbot, ohne obrigkeitliche Erlaubniß keine Bücher wegzugeben, nicht kannte», die allerdings geringste Geldbuße von 5 Gulden auferlcgt. Jetzt haben nun aber die Missionare die Erlaubniß, in Galizien Schriften zu verbreiten, erhalten, jedoch