Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554868-2554874--07658-2563676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
135 ■ vor etlichen Synagogen gebracht und die Mahlzeit unter die Armen vertheilt. Kein Wort dagegen wurde über Buße, über Umkehr zu Gott, über das Suchen seiner Gnade und Hilfe gesprochen. Aber der Fall wurde schlimmer, und der Zauberer war bald mit seiner Weisheit zu Ende. Da sagte er: „So verkauft die Krankheit!" Dieselbe wurde also zum Verkauf ausgcboteu, und ein armer Mann kaufte sie, d. h. er erhielt 40 Mk. dafür, daß er sic kaufte. Das thörichte Volk glaubte nun so zuversichtlich, daß der arme Mann krank werden und vielleicht sterben, jener Reiche aber genesen würde, daß im rabbinischen Gerichtshof ein Kontrakt schriftlich abgefaßt wurde, den man gehörig unterschrieb und untersiegelte, in dem sich der Reiche allein verpflichtete, den ärztlichen Beistand des Armen zu bezahlen, nicht aber im Falle seines Todes dessen Wittwe und Kinder unterstützen zu müssen. Jedoch zum größten Erstaunen aller starb der Reiche und starb in Verzweiflung, ohne Hoffnung! Sein Schwiegersohn hatte sich so fest darauf verlassen, daß dieses thörichte Zauberwerk Erfolg haben würde, daß, als er seinen Schwiegervater tobt sah, er, von Schrecken und Kummer übermannt, etwa eine Stunde später starb. Und wieder drängt sich nach einem solchen Umblick unter den Juden und bei solchen religiösen Zuständen unter der großen Masse derselben die Frage auf: Was ist denn heute eigentlich Judenthum? Ein Rabbiner sprach es, wie Pred. Wolkenberg in Manchester darauf hinweist, in einer Versammlung seiner Amtsgenossen aus, daß sic eigentlich nicht wüßten, was Judenthum wäre. Viele Juden, fährt jener Missionar fort, bestreiten die Behauptung auf das Heftigste, daß cs nur die besondere jüdische Nationalität bedeute, denn sie wollen z. B. in England nichts anderes als Engländer u. s. w. sein. Aber ein bestimmter Glaube ist es auch nicht, da z. B. der Pantheist Spinoza als eine der größten Zierden des Judenthums betrachtet wird. In der Thal jedoch ist, wie Pred. Bernstein in Liverpool ganz richtig ausführt, da in ihre» religiösen Ansichten nur herzlich wenige übereinstiinmeu, ihre Nationalität das einzige Band, welches heute die Juden und vielleicht noch fester als jn früheren Zeiten zusammenhält, so daß sie nicht in