Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 9-10 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Gottes berauben und dem Herzen seinen Trost und seine Hoffnung stehlen. Während aber eine gewisse Klasse von Juden nicht müde wird, immer zu wiederholen, daß ihr Volk die religiösen Gedanken der Welt nmgewandelt habe, ist es eine offenkundige Thatsachc, daß der ehrliche Glaube an die väterliche Religion unter ihnen selbst immer schwächer wird. Gebildete Juden aller Länder bezeichnen den väterlichen Glauben als völlig unvereinbar mit dem neueren Fortschritt und der neueren Aufklärung. Wie gewöhnlich aber berühren sich auch hier die Extreme, und diejenigen, welche de» Jrrthnm verwerfen, stehen nicht an, das Gleiche auch mit der Wahrheit zu thun. So steht es unter den modernen Juden. Ihre Vertheidiger mögen selbstgefällig sich über ihren Wohlstand, ihre Macht und die Einigkeit ihres Volkes, über ihre Barmherzigkeit, ihr Streben, ihre Moralität und andere wirkliche wie eingebildete Tligenden verbreiten; dennoch kann Niemand leugnen, daß aufrichtige Ucberzcugung und echter Glaube nicht bloß an den Talmud, sondern selbst an das Wort Gottes, wenn nicht überhaupt völlig, so doch über die gebildeten und besser unterrichteten Klassen ihre Macht verloren haben. Bei den meisten derselben ist Religion bloß ei» Zugcstäudniß und eine Anerkennung dessen, daß es einen höchsten Schöpfer giebt. In dieser Religion aber giebt es kein Bewußtsein der eigenen Sündhaftigkeit, kein Bitten um Vergebung, keine Sehnsucht nach jener unendlichen Liebe, die der Psalmist so herzbeweglich ausspricht, wenn er ausruft: „Meine Seele dürstet nach Gott!" Ihre Synagogcnpredigten und Veröffentlichnnge» über religiöse Gegenstände athmen einen Geist der Selbstgenügsamkeit und des Sclbstlobes, welche selbst die Einbildungen der alten Rabbiner nicht übertreffen. In natürlicher Folge schläft das Gewissen ein, und gewinnen Anmaßung und Stolz die Oberhand. Die Furcht vor einem heiligen Gott, die Erkenntniß der Sünde und das Bedürfniß nach Frieden und Trost, die natürliche Unruhe jeder Seele, die nicht ganz todl ist, vor den Schrecken des zukünftigen Gerichts — alles das hält man sich fern als Dinge, die einer vergangenen Zeit angehören und sich für unser vorgeschrittenes Zeitalter der Intelligenz nicht mehr passen." Nicht anders äußert sich Pred. Klee aus Danzig. Oft