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Dibre Emeth · 1881-01-01 · 9-10 (1881) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
9-10 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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131 Mit welcher Autorität wird es bekleidet sein? Welche Lehren wird es lehren? Welche Gründe für die Nothwendigkeit der Unterwerfung unter seine Vorschriften wird es Vorbringen? Es kann nicht das Jndcnthnin der Gegenwart sein, denn dieses zersplittert sich in allerlei Abtheilungen und saßt in sich die ausschwcifendsten und einander überall widersprechendsten Meinungen, so daß es kaum eine Form des Unglaubens, des Jrrthnms und des Aberglaubens giebt, denen es nicht anhängt. Bor einem halben Jahrhundert war dies noch nicht in diesem Maße der Fall, sondern damals stellte sich das Judenthum mehr als eine Einheit dar; es hatte in der Hauptsache einen Glauben, eine Form des Gottesdienstes und ein unveränderliches Gesetzbuch. Das alles hat sich geändert. Der Fortschritt im Unterricht, die eifrigen Bemühungen der Missionare, und das Eindringen von Licht und Kenntnissen haben den ganzen jüdischen Glauben umgewandclt. Eine Erhebung fand gegen denselben statt; und was bisher als heilig und unangreiflich gegolten halte, wurde fortan, wenigstens von den Gebildeten und Unterrichteten, als abergläubisch und entsittlichend angcklagt. In ihrem Eifer nach Reform übertrafen nun die einen immer die andern, die nicht ganz so entschieden und radikal waren, und dies führte zu erregten, heftigen Streitigkeiten und Spaltungen. Man baute neue Synagogen, führte neue Formen des Gottesdienstes ein und verkündigte öffentlich neue Lehren; kurz, ein Bruch ist eingctrcten, der wohl nie wieder heilen wird. Da entsteht aber natürlich die Frage: Welche Form des Judenthums soll denn die gepriesene allgemeine Herrschaft gewinnen? Etwa das Judenthum des Talmud? Bon diesem bekennen gebildete Juden selbst, daß es allem entgegengesetzt ist, was die Geistesausbildung, das sittliche und gesellschaftliche Wohlergehn des Volkes fördern kann. Oder das Judenthum der Reform? Dieses befindet sich noch in einem vollständigen Chaos, und schwankt hin und her zwischen den vorgeschritteneren oder gemäßigteren Meinungen der Gemeinden, in denen man sich zu demselben bekennt. Vielleicht aber ist es das Judenthum, welches sich mit allen ausschweifenden Vorstellungen des modernen Denkens zu verschmelzen sucht? Nun dies bietet, trotz großer Ansprüche, nichts als leichtfertige Spekulationen, welche den Menschen seines 9*

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