Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 7-8 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554868-2554873--07642-2563659- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
120 gebildeter Gottheiten untergrub. Sie alle beteten eine Menge von Göttern und Dämonen an, deren Gunst sie sich durch unfromme, oft schmutzige und lächerliche Gebräuche zu erkaufen suchten, und deren Zorn sie durch die abscheulichsten Grausamkeiten zu stillen suchten. In den gebildetsten Zeiten der gebildetsten Nationen der Welt, zu der. Zeit, wo Griechenland und Rom die Künste der Beredsamkeit, der Dichtung, der Geschichte, der Bau- und Bildhauerkunst zu ihrer höchsten Vollendung gebracht, und sie nicht unbeträchtliche Fortschritte in der Mathematik, Naturwissenschaft und selbst in der Moral der Weltweisheit gemacht hatten, hatten sie dagegen gar keinen Fortschritt der religiösen Erkenntniß zu verzeichnen: ein starker Beweis dafür, daß die mächtigsten Anstrengungen des menschlichen Geistes ohne die Offenbarung diesem Unternehmen nicht gewachsen sind. Allerdings einige wenige ihrer Weltweisen waren auch weise genug, um die gewöhnlichen Thorheiten ihrer Religionen zu verwerfen, und sie versuchten selbst, einen höhern Flug zu thun. Plato führte in seine Umgebung manche erhabene Gedanken über die Natur und ihre erste Ursache und über die Unsterblichkeit der Seele ein. Von ihm überkam Aristoteles und von beiden Cicero und einige andere staunenswerthe Schätze philosophischen Wissens, und sie dehnten ihre Untersuchungen auch auf die göttliche Wahrheit aus, soweit der menschliche Geist allein in dieselbe eindringen kan». Das waren aber gleichsam nur Helle Sternbilder, die vereinzelt i» einer Reihe von Jahrhunderten aufleuchten, und selbst diese waren bei aller ihrer Erkenntniß in wahrer Gotteserkenntniß sehr zurück. Aus den sichtbaren Werken der Schöpfung erkannten sie das Dasein und die hauptsächlichsten Eigenschaften des Schöpfers, aber das Verhältniß, in welchem dieses Dasein und diese Eigenschaften zu den Menschen stehn, erkannten sie nur wenig. Für wahre Frömmigkeit und wahren Gottesdienst hatten sie kaum einen Sinn, noch vermochten sie eine Weise der Anbetung z» finden, welche der Reinheit und Vollkommenheit der göttlichen Natur würdig gewesen wäre. Gelegentlich sprachen sie manches Lobeswort über die natürliche Schönheit und die Vortrefflichkeit der Tugend aus; aber sie gründeten dieselbe nicht auf die Gebote Gottes und brachten sie nicht in Zusammenhang mit einem ewigen