Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 7-8 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 ebenso sehr an Geschmack als an Glauben fehlen, und er wird ein ebenso schlechter Kritiker als Christ sein. Denn in welcher Schule der alten Philosophie kann er eine so vollendete Anweisung für die Moral finden als in der Bergpredigt des Evangeliums? Woher kann man ein Gebet an Gott entnehmen, das so knapp und allumfassend ist, das so klar alle unsere Bedürfnisse ausspricht und alles nennt, um dessen Abwendung wir bitten, als jenes kurze Gebet, welches Jesus vor seinen Jüngern sprach und ihnen empfahl? Aus den Werken welches Weisen des Alterthums kann man eine so ausdrucksvolle Empfehlung der Wohlthätigkeit gegen die Elenden entnehmen, und wo wird dieselbe mit solchen Versicherungen ihres Lohnes unterstützt, wie in den Worten Christi: „Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeiset? Oder durstig und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen und haben dich beherberget? Oder nackend und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan?" (Matth. 28, 34 ff.) Wo giebt es in so schönen Worten einen so gerechten Tadel der Sorge bei den weltlichen Geschäften, und wo verbindet sich damit eine so eindringliche Ermahnung zum Vertrauen auf die Güte unsers Schöpfers, als in den Worten (Matth. 6, 26 ff.): „Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheuern, und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinne» sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo