Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 7-8 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 So ist Christus der einzige Stifter einer Religion in der Geschichte der Menschheit, die mit aller menschlichen Politik und menschlichem Regiment vollständig unvermengt und deßwegen ihrer eigentlichen Natur nach für weltliche Zwecke unbrauchbar ist. Alle anderen: Muhammed, Numa und selbst Moses verschmolzen ihre religiösen Einrichtungen mit den bürgerlichen und erlangten so die Herrschaft über ihre Völker. Christus hingegen strebte weder nach solcher Macht, noch wollte er sie erlangen. Er wies alles von sich, was sonst jeder erstrebt, und erwählte, was andere fliehn oder wovor sie erschrecken. Er wieö Ehre, Macht, Reichthum und Freude ab und erwählte Arinuth, Schmach, Qual und Tod. * Es hat viele Schwärmer und Betrüger gegeben, die sich bemüht haben, die Welt an ihre angeblichen Offenbarungen glauben zu machen, und einige derselben sind aus Hoffahrt, Hartnäckigkeit oder ans Grundsatz so weit gegangen, daß sie lieber ihr Leben ließen, als daß sie ihr Wort Zurücknahmen. Aber zeige uns doch die Geschichte einen, der seine eigenen Leiden und seinen Tod zu einem nothwcndigen Theile seines ursprünglichen Planes und zu einem wesentlichen Stück seiner Aufgabe machte. Das aber that Christus. Er sah und verkündigte zuvor und sprach öffentlich ihre Nothwendigkeit aus und erduldete sie dann in vollkommen freiem Entschluß. Wenn wir ernstlich die göttlichen Lehren, die vollkommenen Gebote, die köstlichen Reden und den beständigen Wandel dieser wunderbaren Person betrachten, so können wir uns unmöglich vorstellen, daß er etwa ein Schwachsinniger oder ein Irrsinniger gewesen sei. Und doch, wenn er das nicht war, was er zu sein behauptete, kann er in einem andern Licht nicht angesehen werden. Selbst dann aber würde er noch einige Aufmerksamkeit verdienen, da es von einem so erhabenen und vernünftigen Wahnsinn kein anderes Beispiel in der Geschichte der Menschen giebt. Wenn Jemand an der Ueberlegenheit dieser Religion über alle ihr voraugegangenen zweifeln wollte, so lese er nur mit Aufmerksamkeit die ihres gleichen nicht habenden Schriften, durch welche sie bis auf unsere Tage gekommen ist, und vergleiche dieselben dann mit den berühmtesten Schrifterzeugnissen der Heidenwelt. Wenn er dann kein Gefühl für die überlegene Schönheit, Einfachheit und Ursprünglichkeit jener hat, dann wird es ihm wohl