Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 7-8 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554868-2554873--07637-2563654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
115 so auch sich selbst zerstört. Erkennen wir dagegen nnsern Grundsatz an, so können wir für alles, was uns hier begegnet, wohl Rechenschaft geben. Denn diese Mischung von Glückseligkeit und Leid, von Tugend und Laster verträgt sich durchaus mit einem Stande der Vorbereitung, Prüfung und Erziehung; die Prüfung aber führt ja Versuchungen, Leiden und eine Fähigkeit des Uebertretens mit sich, und zur Erziehung wiederum gehört die Züchtigung für Uebertretnngen. Sodann sind die Lehren dieser Religion ebenso neu, wie der Gegenstand, um den cs sich in ihr handelt. Sie enthalten Vorstellungen von Gott und dem Menschen, dem gegenwärtigen und einem zukünftigen Leben und von Beziehungen all derselben zu einander, die bisher nicht bekannt waren und allem unähnlich sind, was man je vor ihrer Verkündigung durch das Christenthum darüber gedacht hat. Kein anderer hat je ein so richtiges Bild der Werthlosigkeit dieser Welt und all ihres Dichtens und Trachtens gezeichnet, noch ein so genaues, lebendiges und herrliches Bild von den Freuden einer andern entworfen, von der Auferstehung der Tobten, dem letzten Gericht und von dem Triumph der Gerechten an jenem furchtbaren Tage, wenn dies Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche und dies Sterbliche die Unsterblicheit (1. Cor. 15, 53). Nie hat Jemand das höchste Wesen in drei Personen, die in einer Gottheit vereint sind, dargestellt. Nie hat es Jemand versucht, diese scheinbaren Gegensätze und doch beide gleich wahren Behauptungen von der Zufälligkeit künftiger Ereignisse und dem Vorherwissen Gottes, vom freien Willen des Geschöpfes und der Alles bestimmenden Gnade des Schöpfers zu vereinigen. Niemand hat je so ausdrücklich die Nothwendigkeit der Gottlosigkeit und ihre Strafe dargethan, und Niemand doch auch die einzelnen so wirksam der einen zu widerstehen und der andern zu entfliehen gelehrt. Kein anderer hat behauptet, die Verkehrtheit des Menschen erklären oder ein Heilmittel für dieselbe anweisen zu können. Kein anderer hat es gewagt, das Unverzeihliche der Sünde ohne das Dazwischentreten eines Mittlers und eine stellvertretende Versöhnung durch die Leiden eines höher» Wesens zu erklären. Ob diese wunderbaren Lehren des Glaubens werth sind, muß von der Meinung abhängen, dir wir vonder Glaubwürdigkeit 8*