Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 7-8 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Beobachtung der Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Nüchternheit genügen lassen; hier dagegen müssen eine innerlich einwohneude Frömmigkeit, Glaube, Ergebung und Verachtung des bloßen Wcltwesens hinzukommeu. Die erste Anschauung kann unö zu guten Bürgern machen, wird uns aber nie auch nur erträgliche Christen werden lassen. Das Christenthnm dringt ernster als jede Religion oder Moral vor ihm auf Reinheit des Herzens und rechte Gesinnung, denn diese sind hier für seinen großen Zweck durchaus nothwendig. In den Religionen dagegen, deren Empfehlungen der Tugend allein das gegenwärtige Leben im Auge haben und deren verheißene Belohnungen in einem andern Leben niedrig und sinnlich sind, war eine innere Vorbereitung nicht nöthig, nur den Menschen zu befähigen, die eine auszuüben und die andere zu genießen. So aber sehen wir, der Gegenstand der christlichen Religion ist ihr eigenthümlich und ganz neu. Aber obwohl dieser Gegenstand und der Grundsatz, auf den er sich gründet, ganz neu und für die Vernunft vielleicht uucntdeckbar ist, stimmt beides nun doch, nachdem es einmal entdeckt ist, so mit ihr überein, daß wir ihm nur eben beistimmen können. Denn die Wahrheit des Grundsatzes, daß dieses gegenwärtige Leben eine Zeit der Vorbereitung und Prüfung ist, und daß cs uns für ein anderes erziehen soll, wird durch alles bestätigt, was wir um uns erblicken. Hier ist der einzige Schlüssel, der uns die Absichten der Vorsehung in der Leitung unserer menschlichen Angelegenheiten eröffnet; hier ist der einzige Faden, der uns durch die pfadlose Wüste führen kann, und der einzige Plan, nach dem diese Welt möglicherweise gebildet werden konnte, und der uns die Geschichte derselben begreiflich und erklärbar macht. Die Welt hat nie auf Grund eines Planes der Glückseligkeit geschaffen werden können, denn sie ist überall mit unzählbarem Elend bedeckt. Sie konnte auch nicht nach einem Plane des Elends bereitet werden, denn sie ist voll von mancherlei Ergötzungen Sie konnte nicht zu einem Schauplatz der Weisheit und Tugend hergerichtet werden, denn die Geschichte der Menschen ist nicht viel mehr als eine Beschreibung ihrer Thorheiten und Gottlosigkeit. Aber doch auch wieder nicht zu einem Schauplatz des Lasters, weil dasselbe keinen Plan bilden kann, da es ja alles Bestehende und