Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 7-8 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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113 Zuerst also: Der Gegenstand dieser Religion ist vollständig neu; denn derselbe besteht darin, uns durch eine Vorbcreitungs- und Prüfungszeit für das Himmelreich zu erziehen. Das verkündigen Christus und seine Apostel als den eigentlichen Zweck des christlichen Lebens; sie nennen das die Krone, um die wir kämpfen, das Ziel, nach dem wir laufen, die Ernte, welche alle Arbeit bezahlen soll. Vor ihrer Predigt aber war ein solcher Preis den Menschen nie vor Augen gestellt, und waren ihnen keine Mittel gezeigt worden, um denselben zu erlangen. Allerdings hatten einige Weltweise des Alterthums gewisse Begriffe von einem zukünftigen Leben, aber dieselben waren voller Zweifel und Unsicherheit. Auch bemühten sich ihre Gesetzgeber wohl, deu Herzen des Volks den Glauben an Belohnungen und Strafen nach dem Tode einzupflanzen; aber damit wollten sie nur ihren Gesetzen eine Weihe geben und die Ausübung der Tugend ,511111 Besten der Menschen im gegenwärtigen Leben unterstützen. Das allein scheint ihr Zweck gewesen zu sein, und sie bedienten sich also dieses Glaubens als eines Mittels zur Erreichung ihrer eigentlichen Absichten. Das Christenthum erstrebt nicht allein wirksamer diesen Zweck, sondern hat auch eine höhere Absicht im Auge, denn es will uns durch eine rechte Erziehung geschickt machen, hcrnachmals Glieder einer himmlischen Gemeinschaft zu werden. In allen früheren Religionen war das gegenwärtige Leben das Erste, um das es sich handelte, in der christlichen dagegen ist dasselbe erst das Zweite. In jenen wurden die Menschen, das Gute zu thun, durch die Hoffnung auf eine zukünftige Belohnung angeregt; in dieser ist die Ausübung der Tugend befohlen, um sie dieser Belohnung überhaupt würdig zu machen. Zwischen diesen beiden Anschauungen besteht ein großer Unterschied, nämlich der, daß man der Tugend um ihres gegenwärtigen Nutzens willen, welcher darin besteht, daß sie uns eine zukünftige Glückseligkeit hoffen läßt, auhängt, oder daß man so lebt, wie es geschehen muß, um des Empfanges und des Genusses jener Seligkeit innerlich fähig und würdig zu werden. Die ganze Lebensführung und Anschauung derer, welche nach diesen verschiedenen Grundsätzen einhergehen, wird denn auch nicht weniger verschieden sein. Dort wird man sich an einer beständigen 8