Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1881-01-01 · 5-6 (1881) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
5-6 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2554541-2554868-2554872--07613-2563629
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

92 Doch lasse» wir Missionar Flad selbst erzählen. Er berichtete noch aus Mctama unter dem 15. Januar 1881: „Heute vor acht Tagen bin ich hier angekommen. — König Johannes aber hat vor 14 Tagen den freien Verkehr zwischen hier und Abessinien geschlossen. Er hat den abessinischen Kaufleuten verboten, ihre Waaren auf den Markt Hierselbst zu bringen. Eine abessinischc Kanfmanns-Karavane wurde auf ihrem Rückwege geplündert, gebunden und zum despotischen Beherrscher Abessiniens geführt. Noch kennt man deren Schicksal nicht. Vergangenen Markttag sind nur einige Abessinier hier angekommen — solche, die des Nachts durch Wildnisse ihren Weg suchten. Man hofft jedoch, der König werde um seiner eigenen Interessen willen den Handel wieder freigeben. Abessinien ist durch König Johannes total zu Grunde gerichtet. Dagusa und Dcmbea, einst so volkreich und blühend, seien fast menschenleer. Hier in Metama' befinden sich eine Menge abessinischer Flüchtlinge, die Haus und Heimath verlassen haben, weil sie die Abgaben nicht mehr erschwingen konnten, und ihr Vieh von des Königs Soldaten ihnen weggenommen wurde. Als Holz- und Strohträger oder Kleinhändler verdienen sie sich auf kümmerliche Weise ihren Lebensunterhalt. Alle sind in bloße Fetzen gehüllt, und Hunger und Elend haben sich tief in ihre Gesichter eingeprägt. Es ist zum Erbarmen. Noch mehr betrübt mich die Wahrnehmung, daß sich wenig bußfertiger Sinn unter ihnen zeigt — sie sind verhärteten Herzens, und eine große Bitterkeit erfüllt sie wie gegen ihren König, so auch gegen Gott. Ich suche es ihnen zum Bewußtsein zu bringen, daß die Sünde der Leute Verderben ist und ihre Thaten Aussaaten sind, deren Früchte sie schon oft hier essen müssen — allein ich muß mit Jesaias ausrufen: „Herr, wer glaubt unserer Predigt?" — An Bettlern fehlt es nicht, geschenkt nehmen sie die Bücher dankbar an, aber wo sollen sie das Geld hernehmen, um einen Psalter oder das Neue Testament zu kaufen? Es ist in diesem Punkt ganz anders als vor sieben und vor zehn Jahren, wo ich hier war. Wäre ich nicht im Privathaus des Schech Sahle Beh, so wäre es nicht zum Aushalten für mich, ich würde von Morgens bis Abends von abessinischen Bettlern belagert sein. Vergangenen Donnerstag Abend ging David im Anschluß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.