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Dibre Emeth · 1881-01-01 · 5-6 (1881) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
5-6 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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90 liches und für sich selbst bestehendes Volk inmitten der Völker gar nicht zu Tage treten; zumal für die Juden in Amerika alle jene Verhältnisse nicht vorhanden find, die von ihnen in Europa als Grund ihrer Sonderstellung angegeben werden. Gerade Amerika hätte ja, wenn die Behauptung der heutigen Juden, daß sie vor Allem eine Religionsgemeinschaft und im klebrigen Deutsche, Franzosen, Briten u. s. w. seien, richtig wäre, dies am Schlagendsten beweisen müssen; denn hier fanden sie die vollste Freiheit, sich lediglich nach ihren Forderungen zu gestalten und zu entwickeln. Aber hier hat es sich nun auch unwiderleglich gezeigt, daß die gemeinsame religiöse Grundlage für sie eine ziemlich schwache und die geschlechtliche dagegen eine desto stärkere ist. Orden, die grundsätzlich ihren Mitgliedern die Freiheit gewähren, in religiöser Beziehung zu denken, waS sie wollen, ziehen eine unvergleichlich viel größere Zahl von Juden Amerikas an, als die Synagoge, wiewohl doch auch diese schon die meisten Schranken niedergerissen hat. Unaufhörlich wird uns jüdischerseits versichert, daß dem Judenthum die eigentliche religiöse Aufgabe für die ganze Welt verbleibe. Aber, wo dasselbe nun die volle Freiheit besitzt, den Beweis des Geistes und der Kraft zu führen, geschieht dies in so kläglicher Weise, daß die Synagoge in der That alle Ursache hat, ein wenig nüchtern zu werden und sich zur Selbstprüfung rufen zu lassen. Das Judenthum hat seit 100 Jahren in Amerika Alles erhalten, was es forderte, nachdem es behauptet hatte, daß ihm nur Raum gegeben werden dürfe, um es der Welt zu beweisen, daß es die höchste religiöse Kraft in sich trage. Und der Erfolg ist, nachdem ihm doch lange genug Alles gewährt worden ist, ein Zeugniß seiner Lebensmacht abzulegen, lediglich der: daß es als Religionsgemeinschaft für sich selbst den Kampf um's Dasein zu kämpfen hat, und daß es, wenn es nicht in der Stammesgemeinschaft eine Stütze gesunden hätte, sich nur kümmerlich weiter fristen würde. Viele christliche Religionsgemeinschaften haben sich, ohne daß ihnen irgend welche staatliche Unterstützung zu Theil geworden wäre, in Amerika als eine Macht im allgemeinen Leben der Nation bewiesen, viele haben sich daselbst von kleinsten Anfängen aus ein weites Gebiet erobert und haben große Schaaren aus der Bevölkerung neu gewonnen. Vom Judenthum, welches uns

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