Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 5-6 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Polen von der größten Wichtigleit ist. Dieselbe umfaßt die Sorge der Missionare für das geistliche und leibliche Wohl der Proselyten. Was zunächst die geistliche Fürsorge, die Seelsorge an den Proselyten anbetrifft, so ist offenbar, daß dieselbe, wenn irgend möglich, eine viel speziellere, eingehendere sein muß, als die.Geistlichen ihren Gemeindegliedern zu Theil werden lassen können. Die christliche Erlenntniß, das innere Leben, die Bethätigung des Glaubens in der Nachfolge Christi bedürfen einer um so sorgfältigeren Pflege, je mehr der Neophyt nicht blos den allen Christen gemeinschaftlichen Versuchungen des Teufels, der Welt und unseres Fleisches, sondern auch noch den besonderen Versuchungen, die aus dem früheren Leben und Verbindungen sich ergeben, ausgesetzt ist. In der Heidenmission, wo die Getauften eine eigene neue Gemeinde bilden, in welcher alle Glieder derselben Pflege bedürfen, kann diese ihnen reichlich zu Theil werden, weil die ganze Organisation der neuen hcidenchristlichen Gemeinde darauf angelegt ist; nicht so ist es aber bei den Proselyten aus dem Judenthum. Diese bilden nicht eine Gemeinde für sich, deren Pastor und Seelsorger der Missionar ist, welcher sie unterrichtet und getauft hat, sondern sie werden durch die Taufe Glieder der evangelischen Gemeinden, unter welchen sie wohnen, und deren Geistliche sind nunmehr auch ihre rechtmäßigen Seelsorger. Der Missionar ist und bleibt nur des Proselyten nächster geistlicher Freund und Berather. Aber auch als solcher hat er das Recht und die Möglichkeit, in eingehendster Weise mit geistlichem Rath und herzlichen, väterlichen Ermahnungen ihm zur Seite zu stehen, wen« der Proselyt in einer Missionsstation wohnt. Dagegen ist dies sehr erschwert und oft unmöglich, wenn er verzieht oder an einem entfernten Orte wohnt, welchen der Missionar nur selten, oft Jahre lang nicht besuchen kann. Und dies ist in Polen oft der Fall, und wird, je länger die Mission dort arbeitet, um so mehr der Fall sein. So kommt denn Alles darauf an, daß die Mission in möglichst naher und enger Verbindung mit der evangelischen Kirche des Landes bleibt. Ist dies der Fall, dann darf der Missionar ruhig sein. Er kann nun ja seinen Täufling dem betreffenden Geistlichen und dessen Fürsorge warm empfehlen, und meistens wird der Letztere gern bereit sein, sich des Proselyten anzunehmen. Für alle