Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 5-6 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 teig unter den Juden und an ihren Herzen wirken, und das wird in diesen Fällen am sichersten erreicht. Natürlich wird der Verkehr mit denjenigen, die sich besonders zugänglich erweisen, auch weiter gepflegt, indem ihnen Besuche gemacht und sie zu solchen aufgefordert werden. Daß diese Besuche im Hause des Missionars für denselben gerade immer angenehm sind, läßt sich nicht behaupten, da er dabei manche Unannehmlichkeiten sich gefallen lassen muß. Ganz abgesehen von der bekanntlich nicht großen Sauberkeit der Besucher muß er zusehen, wie diese seine Besucher ihre übelriechenden Papyrossen eine nach der andern anzünden und dabei die Stube auf alle mögliche Weise beschmutzen. Ebenso heißt es stille halten, wenn der Besuch beliebt, vier oder auch sechs Stunden das Gespräch fortzusetzen, ohne Rücksicht darauf, ob es Essenszeit ist oder nicht, ob andere Arbeit drängt oder Mitternacht nahe ist. Dagegen läßt sich wenig oder selten etwas thun, zumal gerade diese Besuche darum sehr wichtig sind, weil sie den Verkehr mit größeren jüdischen Kreisen vermitteln und manche Thür öffnen, die dem Missionar sonst verschlossen geblieben wäre. Diese Hauptaufgabe, den Juden das Evangelium in der dargestellten Weise nahe zu bringen, schließt aber die andere nicht ans: die einzelnen, welche offen aussprechen, daß sie zur Erkenntniß der Wahrheit des Neuen Testaments gekommen sind und glauben, daß Jesus Christus der Heiland ist, nun auch zu veranlassen, daß sie in einen regelmäßigen Unterricht eintreten, den HErrn Jesum auch vor ihrem Volke durch Wort und That bekennen und sich taufen lassen. Solcher Juden lernt der Missionar in Polen mit der Zeit eine ganze Anzahl kennen, oft freilich, ohne sie bewegen zu können, das Zeugniß ihres Glaubens auch öffentlich abzulegen. Die Gründe dieser Zurückhaltung sind sehr mannigfaltig, meist aber der Art, daß auch der Missionar ihnen gegenüber einen schweren Stand hat. So hätte jener Jude, dessen Bibelkenntniß, auch des Neuen Testaments, ich rühmte, sich gern taufen lassen, aber er war verheirathet, und seine Frau eine eifrige Jüdin, welche sich hätte von ihm scheiden lassen und die Kinder für sich verlangt und erlangt hätte; das Familienleben wäre also zerstört, er selbst aus seiner Verwandtschaft und Freundschaft als ein Verfluchter ausgestoßen worden, und seine Kundschaft, die ja lauter Juden waren, natürlich auch verloren gewesen; er hätte allein und