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Dibre Emeth · 1881-01-01 · 5-6 (1881) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
5-6 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77 welche die Judenmission in Polen trieb, und das weite Arbeitsfeld derselben lag über 20 Jahre brach. Da gelang es der erwähnten Londoner Missionsgcsellschaft nach jahrelangen Bemühungen und Unterhandlungen, einen kaiserlichen Ukas zu erwirken, durch welchen ihr die Erlaubniß ertheilt wurde, die Missionsthätigkeit unter den Juden Polens auf's Neue zu beginnen und so das schon überaus ausgedehnte Feld ihrer Wirksamkeit, auf welchem sie c. 130 Arbeiter unterhält, noch zu vergrößern. Im Frühjahr 1876 sandte sie die ersten Missionare nach Warschau, um dort und von dort aus die zerrissenen Fäden wieder anzuknüpfen und in Gottes Namen ein Neues zu pflügen. So leicht und schnell, wie es die Missionare gehofft hatten, sollte es ihnen nun freilich nicht werden, das Werk zu beginnen und zu treiben. Wohl kamen das Konsistorium und die evangelischen Geistlichen ihnen auf das Freundlichste entgegen, aber ehe von den Russischen Behörden die offizielle Genehmigung ertheilt wurde, vergingen viele Monate. Dennoch wurde von den Missionaren die Arbeit freudig und guten Muthes im Vertrauen auf Gottes Beistand begonnen — eine Arbeit, die überall, besonders aber in Polen, eine dreifache ist und sein muß: nämlich 1) an den Juden, 2) an den Proselyten und 3) unter den Christen. Was zunächst die Arbeit der Mission an den Juden selbst betrifft, so haben wir schon der mannigfaltigen Schwierigkeiten gedacht, welche die Missionare zu überwinden haben, wir haben aber noch darauf einzugehen, „welcher Art" die Arbeit der Missionare unter den Juden ist. Da ist nun zunächst der weit verbreiteten, aber ganz fälschlichen Auffassung entgegenzutreten, als ob die Judenmission nichts als „sogenannte Proselytenmacherei" wäre, indem ihre Sendlinge Länder und Meere durchziehen, um einen Proselyten zu machen und einen Juden zu „taufen". Dies ist aber durchaus nicht der Fall; ihre Arbeit ist eine viel größere, weitere, deren sichtbare Frucht allerdings in den einzelnen Fällen von Bekehrungen besonders offenbar wird. Die Mission hat das ganze Volk Israel im Auge, von welchem sie weiß, daß es als solches sich erst zum HErrn bekehren wird, wenn die Fülle der Heiden in das Reich Gottes eingegaugen sein wird.

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