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Dibre Emeth · 1881-01-01 · 5-6 (1881) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
5-6 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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75 Juden in feindliche verwandelt. Ich habe diesen Einfluß auf einer Missionsrcise sichtbar und fühlbar kennen gelernt; denn die vorher recht freundlichen und zur Unterhaltung bereiten Juden, die mit Eifer Traktate kauften und lasen, wurden plötzlich nach einem Besuche, den ich ihrer Schule oder Synagoge machte, so feindlich, daß sie die Traktate zerrissen, mit den Füßen traten oder in den kleinen, durch die Stadt fließenden Fluß warfen; daß sic unter Geheul vor das Pfarrhaus, in welchem ich bei meinem Amtsbruder gastliche Aufnahme gefunden hatte, zogen, dessen Garten zertraten und in den Brunnen spieen, und zuletzt noch, als ich auf einem offenen Wagen abfuhr, mir mit Steinen nachwarfen, sodaß ich Gott dankte, als ich glücklich außer Wurfweite war. Einige Juden, die trotz dieser Feindseligkeiten mich besuchlen, um mit mir zu sprechen, sagten mir, daß der Rabbiner des Ortes den Fanatismus ihrer Glaubensgenossen erregt hätte, damit sic nicht „verführt" würden. Ebenso bereitet die Uebersetzung des A. Test, nach talmudischen Commentaren, wie sie der Talmudlehrer seinen Schülern eingelernt hat und die nicht hlos reich an den willkührlichsten Zusätzen, sondern auch an den mannigfaltigsten Verdrehungen ist, besonders zuerst dem Missionar in seinen Unterhaltungen und Gesprächen mit den Juden viele Schwierigkeit, ein richtiges Verständniß für seine Botschaft zu finden und herbeizusühren. Es giebt natürlich noch der Schwierigkeiten viele, die der Missionar überwinden muß, doch genügt wohl das Gesagte, darzuthun, daß das Arbeitsfeld der Judenmission in Polen ein außerordentlich großes und auch recht schwieriges ist. Dieses Arbeitsfeld nun hat, wie ich schon mitgetheilt habe, lange Zeit brach gelegen. Keine der christlichen Konfessionen bearbeitete diesen Boden oder streute den Samen des Evangeliums darauf aus. Die griechisch-katholische oder richtiger „orthodoxe" Kirche erstrebt zwar ihre Ausdehnung und Ausbreitung, aber wenig durch Mission, jedesfalls nicht unter den Juden. Die römischkatholische Kirche darf nicht Mission treiben, und der evangelischen Kirche Polens, sowohl der lutherischen als der nur sehr kleinen reformirten, fehlte bis vor wenigen Jahren der Missioustrieb: die Erkenntniß und das Bewußtsein der Pflicht, Mission zu treiben. Endlich die Bestrebungen auswärtiger Missions-

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