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Dibre Emeth · 1881-01-01 · 5-6 (1881) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
5-6 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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74 aller Mission, auch der Judenmission, ist, und das ist umsomehr zu schätzen, als die von ihm zu überwindenden Schwierigkeiten, Sinn und Interesse für die innere und äußere Mission zu wecken, sehr groß sind. Während aber die evangelische Kirche bis vor wenigen Jahren nicht in der Lage war, einen größeren, die falschen Anschauungen der Juden von Christus, Christen und Christenthum berichtigenden Einfluß auszuüben, werden dieselben sonst vielfach genährt. Wenn ein Jude durch die Straßen Warschau's geht und vor den katholischen Kirchen nicht blos die aus Stein gehauenen Bilder der Maria, Apostel oder Heiligen sieht, sondern auch, sei es Sonntag oder Wochentag, die Menge andächtig vor denselben knieen, oder Einzelne sie mit Andacht küssen sieht; wenn er die großen Prozessionen, die Zehntausende stark die Straßen durchziehen, schaut: wie die Theilnehmer alle, groß und klein, vornehm und gering, ihre Kniee vor den Bildern beugen und die Fahnen vor denselben schwenken, wie selbst Frauen die schweren hölzernen und steinernen heiligen Bilder und Geräthe der einzelnen Kirchen im Triumphe durch die Stadt tragen, ein Anblick, bei welchem auch der Evangelische sich nicht des Eindrucks eines heidnischen Aufzuges bei einem Götzeufeste erwehren kann; wenn ein Jude alle die bei solchen Prozessionen üblichen Gebräuche sieht, er kann nicht anders, er muß die Kirchen für „Götzentempel des gekreuzigten Gottes" und die Christen für Götzendiener halten. Der Jude ist denn auch so überzeugt davon, daß wir Christen Heiden, Götzendiener sind, daß er überhaupt statt „Heiden" die Bezeichnung „Christen" gebraucht. Bei Gesprächen mit den Juden übersetzten letztere demgemäß meist im A. Test, das Wort Gojim — Völker, Heiden mit „Christen", gewiß bezeichnend, wie tief ihre Anschauung von dem Christenthum als einem Götzendienste wurzelt, und es erklärend, daß sie dem Missionar meist mit einem gewissen geistlichen Hochmuth und mit vollster Siegesgewißheit oder wenigstens dem Bewußtsein entgegentreten, daß sie ganz sicher, gleichsam gefeit gegen Annahme irgend einer anderen religiösen Ueberzeugnng sind. Dazu kommt ferner der Einfluß des Rabbiners, der in Polen, besonders in de» kleineren Städten, außerordentlich groß ist und sehr leicht eine dem Missionar entgegenkommende Stimmung der

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