Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1881-01-01 · 5-6 (1881) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
5-6 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554868-2554872--07594-2563610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 Wenn nach diesen Darstellungen die Mission in Polen verhältnißmäßig leicht ihre Arbeit beginnen kann, so ist doch dieselbe in ihrem weiteren Fortgange um so schwerer. Während unser aufgeklärtes Judenthum über die christlichen Lehren zum Theil ziemlich gut unterrichtet ist, wenigstens weiß, daß wir Christen den Gott des A. Test, anbeten und in Jesu Christo den im A. Test, verheißenen Messias verehren, daß wir, ebenso wie sie, Monotheisten sind, die nur an einen ewigen Gott glauben, sehen die polnischen Juden fast alle in den Christen nur Götzendiener, haben großenthcils keine Ahnung, daß unsere Bibel das A. Test, enthält, und wissen meist nicht, daß wir Christum als den verheißenen und erschienenen Messias predigen. Und diese Unkenntuiß der christlichen Religion und diese falsche Beurtheilung der Christen seitens der Juden wird uns wohl erklärlich, wenn wir die christliche Bevölkerung in Polen und deren religiöse Gebräuche von dem Standpunkt eines Juden aus betrachten, welchem von Jugend auf gelehrt wird, daß nur die Juden an einen Gott glauben, und welchem die heilige Schrift des N. Test, ganz unbekannt ist und noch bis vor wenigen Jahren so gut wie unzugänglich war. Wohl erhebt sich in Warschau, mitten in der Stadt, die große evangelisch-lutherische Kirche; und hat auch die reformirte Gemeinde ein schönes, neues, würdiges Gotteshaus, aber was kann das die Juden kümmern, wo die Evangelischen nicht blos Warschaus, sondern ganz Polens sich über 20 Jahre um die Mission unter den Juden nicht gekümmert haben. Es ist natürlich, daß unter solchen Verhältnissen der Jude von der evangelischlutherischen Kirche, die nur aus c. 50 Parochiecn mit höchstens 250 000 Seelen besteht, also auch der Seclenzahl nach unter den über 800 000 Juden fast verschwindet, und die sich nicht durch Ceremonien ans den Straßen bemerkbar macht wie die andern beiden christlichen Konfessionen, nichts sah, als die Gebäude, und noch weniger etwas vom evangelischen Glauben hörte, zumal alle» auswärtigen Missionsgcsellschaften die Mission unter den Inden von der Russischen Regierung verboten war. Gott sei Dank, weht ja nun seit wenigen Jahren ein anderer, frischerer, belebender Geist durch die lutherische Kirche Polens, deren jetziger Generalsuperintendent ein ganz besonderer Freund und Förderer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.