Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 5-6 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 dieser Richtung den langen, bis auf die Knöchel herabreichenden Rock, welcher sie im Verkehr beschränkte und von dem Zugang zu mancherlei öffentlichen Orten, z. B. zu dem schönen sächsischen Garten, der Promenade Warschau's, abhielt, abgelegt und tragen die gewöhnliche männliche Kleidung; und die Frauen lassen sich beim Heirathen nicht nach der alten jüdischen Sitte, die in Polen noch allgemein beobachtet wird, die Haare abschneiden, um den entstellenden künstlichen Scheitel zu tragen, sondern bewahren diesen ihren schönsten Kopfschmuck. Auch von ihnen aber gilt, was ich von unseren Juden sagte: „Der Zugang zu ihnen und zu ihren Herzen ist schwer!" Wenn die Mission mit ihnen zu thun hat, so ist es meist ein äußerlicher Grund. Ihre gesellschaftliche Stellung, eine Heirath oder borgt, veranlaßt zuweilen bei einzelnen von ihnen das Verlangen, zur christlichen Kirche überzutreten und sich deshalb „der Ceremonie der Taufe" zu unterziehen. Sie kommen meist zuerst zum evangelischen Geistlichen, der sie in Warschau zum evangelischen Missionar schickt, aber sie geben nicht selten ihr Vorhaben auf, wenn sie hören, daß sie erst längeren Unterricht erhalten müssen, und nur bei aufrichtiger Ueberzeugung von der Wahrheit des christlichen Glaubens und ernstgemeintem Bekenntniß desselben die Taufe empfangen können. Zuweilen wenden sie sich aber auch an die griechisch-katholische Kirche, in welcher ihnen schneller die Taufe gewährt wird. Doch die Zahl dieser „freieren" Juden ist, wie ich schon gesagt habe, in Polen eine verschwindend kleine gegenüber der übergroßen Majorität derer, die nicht blos in Kleidung und Lebensweise streng die väterlichen Sitten und die talmudischen Gesetze beobachten, sondern auch, stolz darauf, zum auserwählten Volke Gottes zu gehören, sich von jeder gesellschaftlichen Berührung mit den Götzendienern, wie sic alle Nichtjuden nennen, fern halten, vor Allem aber sich dadurch auszeichncu, daß sie ein ganz besonderes Interesse für religiöse Gespräche und eine unbezwingliche Neigung, auf solche einzugehe», haben. Diese strenggläubigen, orthodoxen Inden, ob sie nun zu den Chasidim oder einer anderen Richtung des jüdischen Glaubens gehören, — denn auch unter den Juden giebt es eine ganze Anzahl verschiedener Sekten — sind immer bereit, ein Gespräch über das A. Test., über den Messias, über den Talmud oder sonst einen