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Dibre Emeth · 1881-01-01 · 5-6 (1881) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
37 (1881)
Issue
5-6 (1881)
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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68 mit den Juden in Verbindung zu treten und ihnen das Evangelium nahe zu bringen, über welche die Missionare in den westlichen europäischen Ländern zu klagen haben, in Polen ganz fortfallen, daß vielmehr die Arbeit immer vor der Thür, im Hause, im Hofe und auf der Straße auf sie wartet. Aber nicht blos dieser Umstand erleichtert es dem Missionar in Russisch-Polen, den Juden mit dem Evangelium nahe zu treten, sondern auch der Jude selbst. Hier in Deutschland und überhaupt im Westen Europas sind die Juden, wenigstens ihre Majorität, darauf stolz, daß sie nicht mehr die von den Vätern ererbten Sitten streng bewahren und sich von der gewissenhaften Beobachtung der talmudischen Gesetze frei gemacht haben. Sie haben damit den Zaun entfernt, den ihre Väter so fest und treu aufrecht erhalten hatten, um das alte Erbtheil, den Glauben, zu wahren: „daß das jüdische Volk allein unter allen Völkern die einzig wahre, monotheistische Religion habe, welche es nicht blos vor allen Völkern auszeichne, sondern auch von allen Völkern scheide und trenne". Sie haben damit wohl die Schranken niedergerissen, welche sie, „die Reinen", von dem gesellschaftlichen Verkehr mit den „Nichtjuden", den „Unreinen", den „Götzendienern" abhielt, aber auch eine Erschütterung ihres Glaubens herbeigeführt, in Folge dessen der „Unglaube" und die „Gleichgiltigkeit gegen die religiöse Ueberzeugung" nicht blos eine offene Thür gefunden, sondern auch fast unbeschränkte Macht und den gewaltigsten Einfluß ausgeübt hat. Bei solchen Elementen aber, solchen Persönlichkeiten, denen der Unglaube und die religiöse Gleichgiltigkeit das Herz besessen hat, findet natürlich der Missionar weder Lust noch Empfänglichkeit für ein religiöses Gespräch, sondern meist die krasseste, zuweilen recht artige, oft aber auch recht unartige Abwehr eines solchen. Während also hier der Jude selbst die Arbeit der Mission abhält und erschwert, ist es in Polen gerade entgegengesetzt, er kommt ihr entgegen und erleichtert sie. Zwar hat auch in Polen in kleinen Kreisen der Juden, besonders der reichen und reich gewordenen, das sogenannte Reform- Judenthum Eingang und Anhang gefunden, aber doch nur in sehr kleinen Kreisen, und tritt dann der Einfluß desselben vor Allem in der äußerlichen Lebensweise zu Tage. So haben die Männer

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