Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 5-6 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67 unter den Arbeitern Juden — oder wir besichtigen eine Druckerei: die Setzer nicht blos der hebräischen, sondern auch der deutschen, polnischen und russischen Drucke sind großentheils Juden. So finden wir es in vielen Klemptner- und Schmiedcwerlstätten, bei Schuhmacher und Schneider, bei dem Tischler und anderen Handwerkern. Wird auf diese Weise der Vorwurf, der den Juden so oft als solchen gemacht wird: sie scheuten die schwereren Arbeiten, besonders auch des Handwerks, durch die Thatsache wenigstens zum Theil widerlegt, so kann man doch den anderen Vorwurf ihnen nicht ersparen: daß ihre Arbeit fast durchgängig unsolide und schlecht ist. Bei den jüdischen Handwerkern in Polen gilt der Grundsatz: wenn irgend möglich thcuer und schlecht, und wenn es nicht anders möglich ist, dann billig und schlecht. Es ist dies — nach meinen Erfahrungen wenigstens — geradezu eine Eigenart des jüdischen Handwerkers, er kann nicht anders; eine Eigenart, die er leider auch auf christliche Handwerker leicht überträgt, um mit der nach diesem System gearbeiteten Waare Handel zu treiben. Wir haben ja auch in Deutschland die Folgen dieses Systems so kennen gelernt, daß wir die Entstehung der heutigen Judenfrage zum Theil ihm mit zuschreiben können. Wenn nun auch eine ganze Zahl der Juden Polens ihren Lebensunterhalt in der angegebenen Weise — mit ihrer Hände Arbeit — verdient, so bleibt doch die Mehrheit auf den Handel und besonders auf den Kleinhandel angewiesen, der nicht blos von .hausirenden, von Hof zu Hof herumziehenden Handelsjuden, deren es in den Städten Polens und besonders in Warschau eine unglaublich große Anzahl giebt, ausgeübt wird, sondern auch auf großen Höfen und Märkten seine Stätte findet. Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, das Treiben der hausirenden Juden auf den Höfen und in den Häusern zu beschreiben und die Märkte zu schildern, auf denen nicht nur allerlei Gegenstände, sondern auch jegliche Lebensmittel: Fleisch und Fisch, Gemüse und Obst, Milch und Butter u. s. w. meist von nicht gerade durch besondere Reinlichkeit ausgezeichneten Juden und Judenfrauen feilgeboten werden. Es genügt das Gesagte, um das Arbeitsfeld des Missionars in seinem äußeren Aussehen vor Augen zu führen, und vor Allem, um darzuthun, daß die Schwierigkeiten 5*