Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 5-6 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554868-2554872--07587-2563603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 allen Missionsfreunden möglichst entgegenznarbeiten, letzteres besonders, indem das Interesse für die Mission auf's Neue belebt und in immer weiteren Kreisen erweckt wird. Dazu mögen denn auch die folgenden Mittheilungen über die Mission unter den Juden in Russisch-Polen dienen. Die 2312 mMeilen umfassende russische Provinz Polen, welche auch „das Königreich Polen" genannt wird, ist das judenreichste Land der Erde. Es zählt unter den c. 67® Millionen Einwohnern etwa 800,000 Juden, von welchen wieder wenigstens 90,000 in der Hauptstadt — in Warschau — leben. Doch das sind todte Zahlen, die erst Leben erhalten und für welche wir erst Verständniß bekommen, wenn wir damit die jüdischen Bevölkerungen anderer Länder vergleichen und bedenken, daß jene 800,000 Juden Polens nicht blos mehr als der zehnte Theil des gesammten jüdischen Volkes auf der ganzen Erde sind, sondern auch der Zahl aller Juden gleichkommen, welche den ganzen Westen Europas, also England, Frankreich, Spanien, Italien, die Schweiz, Deutschland, Belgien, Holland und Norwegen und Schweden bewohnen; und wenn wir ferner in Betracht ziehen, daß in der einen Stadt Warschau die jüdische Bevölkerung noch einmal so groß als in ganz Frankreich ist, und daß auf drei Einwohner dieser Stadt ein Jude kommt, ein Verhältniß, welches in vielen, besonders kleinen Städten sich noch viel günstiger für die Juden gestaltet, deren Zahl oft zwei- und dreimal die Zahl der christlichen Bevölkerung übertrifst. Unter diesen Bevölkerungsverhältnissen ist es natürlich, daß nicht alle Juden vom Handel leben können, sondern daß viele genöthigt sind, als Arbeiter und Handwerker sich den Lebensunterhalt zu verdienen, sodaß es wohl kaum eine praktische Beschäftigung oder eine Arbeit giebt, für deren Ausübung man keinen Juden fände; im Gegentheil: von allen Seiten bieten sie sich zu allen Verrichtungen an. So bietet sich denn in der von den Polen als „Klein-Paris" gepriesenen Weichselstadt Warschau der für uns ungewöhnliche Anblick bald eines jüdischen Glasers, bald eines jüdischen Schleifers, hier einer Anzahl in der Sonncngluth arbeitender jüdischer Straßenpflastercr, dort einer Anzahl eines Auftrages wartender jüdischer Commissionäre! Wir treten bei einem Buchbinder ein, wir sehen