Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 3-4 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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57 aufbrechen. Da Morgen Freitag ist, habe ich wenig Glauben, daß etwas daraus wird. Ich hatte heute noch vieles umzupacken. Muß aber diese Arbeit alle selbst thun, was hier in dem dämpfigen, heißen Klima keine Kleinigkeit ist. Gestern habe ich mich zweimal umkleiden müssen, und heute war mein Hemd, wie ich fertig war, als wenn es im Wasser gelegen hätte. Ich habe mir doch mit den vielen Abessinischen heiligen Schriften und Traktaten eine furchtbare Last aufgcbürdet. Doch wenn nur Segen für Abessinien heranskommt durch diese Bücher, dann ist's der Mühe und des Schweißes wohl werth. Die Arbeit wäre mir auch das Geringste, aber die Sorgen um die Brüder in Abessinien und die hunderterlei Gedanken, wie es werden, wie ich's machen soll, sind die Quälgeister, die mich namentlich des Nachts peinigen. — Ich halte unter innerem Schreien bei dem Herrn an, er möchte mich nicht verlassen, mir Licht, Weisheit, Verstand, Sanftmuth und Liebe schenken, daß mit allem, was ich thue, er Mitwirken kann. Es sind doch, wie mir Gobau und David erzählten, manche ernste gläubige Seelen unter unfern Proselyten, die mit reinem christlichem Wandel ein Salz sind unter ihren Landsleuten, und denen es um das Seligwerden wirklich ernst ist. Es scheint mir nach allem, was ich bisher Trauriges und Erfreuliches gehört habe, daß unsere Arbeit nicht ganz vergeblich gewesen ist. Auch unter vielen abessinischen Christen scheint die Wahrheit den Sieg über die Lügen und die Jrrthümer, in denen sie erzogen wurden, errungen zu haben. Vielleicht kann und darf ich Dir aus Metama, wenn ich alle die Andern bei mir habe, Besseres schreiben, als ich erwartet habe. In Assesso z. B. wird Gobau erlaubt, alle Sonntage den Besuchern der Kirche ein oder mehrere Kapitel in Amharisch vorzulesen. An der Besprechung des Gelesenen bethciligen sich einige Priester, namentlich aber die beiden christlichen Debtera, von denen ich Dir einen Brief sandte. — Ich bin Gott Lob gesund. Bei aller Verwirrung und Klage allhier Ist mir, o mein Heiland, so wohl stets bei Dir. Wenn Alles gut geht, werde ich mit Gottes Hilfe Ende dieses Monats (Dezember) in Metama, dem Ziele meiner Reise ankommen. Meine lieben Kinder! Daß Ihr mir so liebe Briefe geschrieben habt, hat mich sehr gefreut. Es tröstet und stärkt mich