Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 3-4 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 durchaus treffend hinzu: „Das hiesige Judenthum ist wohl äußerlich eine Macht, innerlich ist es todt". Aehnliches muß er jedoch auch über die Griechische Kirche in Palästina sagen. „Sie hat wohl einen Patriarchen, mehrere Bischöfe, Hunderte von Mönchen und Nonnen, Tausende von Anhängern; sie hat eine ganze Reihe von Kirchen und Klöstern, aber der Klerus ist in große Unwissenheit versunken, und die Gottesdienste bestehen fast nur in eitlem Gepränge. Der griechischen Konfession gehört aber der bei Weitem größte Theil der Christen Jerusalems und des heiligen Landes an; denn die Griechische Kirche hat es verstanden, die türkische Obrigkeit und durch ihre verheiratheten Priester, die ganz mit dem Volke leben, auch dieses auf ihre Seite zu ziehen." Allerdings aber zeigt sich das innere Interesse am heiligen Lande am deutlichsten unter den Bekenuern der Griechischen Kirche ausgeprägt, wie dies die starken Wallfahrtszüge derselben beweisen; im vergangenen Jahre besuchten wenigstens 5000 derselben die heiligen Stätten. Unter den Wallfahrenden nahmen die Russen die erste Stelle ein, und tritt auch hierin der Umstand zu Tage, daß sich dieselben als die Erben des alten griechischen Kaiserreichs wie der Sultanshcrrschaft betrachten. Eine geistige Neubelebung des Orients aber ist durch die Griechische Kirche nicht zu erhoffen, und die religiöse Macht derselben steht keinesfalls zu ihrer politischen in jenen Gegenden in gleichem Verhältnisse. Immer bedeutsamer aber macht sich der Einfluß der Römischen Kirche auf die Bevölkerung des türkischen Gebietes in Asien geltend. Zumal seit der Vertreibung der Orden aus Deutschland und Frankreich haben sich dieselben vielfach den Orient als Kampfesfeld und Eroberungsgebiet ausersehen. Die französische Regierung aber unterstützt aus politischen Gründen im Orient dieselben Priester und Ordensleute, die sie in der Heimath bekämpft, auf's Wirksamste und Eifrigste. Keine Kirche hat denn auch hier so große Erfolge in jüngster Zeit aufzuweisen als die Römische. Die Griechische Kirche zumal sieht sich in derselben einen Feind erwachsen, der ihr äußerst gefährlich ist, und aller Gewinn der Römischen Kirche Hierselbst ist bisher durchaus auf Kosten der Griechischen Kirche geschehen. Hatte Palästina früher nur einige hundert Katholiken und unter diesen nur wenige eingeborene