Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 3-4 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Land und Leute versinken unter diesem Negiinent in ein unheilbares Siechthum, und die Unterthanen aller Religionsbekenntnisse beginnen zu ahnen, daß dem Oömanenreich die staatcncrhaltendc Kraft abhanden gekommen ist. Nur die Beseitigung der türkischen Herrschaft, die keinerlei Lebensrecht i» sich trägt, kann hier helfen; und erst dann, wenn mit dem Zusammenbruch der Sultansherrschaft die einzelnen Elemente des Reiches frei geworden sind, wird es möglich sein, in anderen staatlichen Verbindungen, die in ihnen ruhenden Lebenskräfte zu wecken. Wohin man auch im Türkcnreiche blicken mag, überall nimmt man die gleichen Erscheinungen wahr. Die Obrigkeit und die Herrscher des Landes thun Alles, um dasselbe nicht aufkommen, sondern verderben zu lassen. Die Unterthanen scheinen nur de» Zweck zu haben, der Bereicherung des Sultans und seiner Beamten zu dienen; und die Kunst, von der Bevölkerung möglichst viel zu erpressen, bildet das höchste Gcheimniß der Regierungs- Weisheit. Das Staatsleben ist im Innern vor Allem ein beständiger Krieg um Mein und Dein zwischen den Regierenden und Regierten; die Letzteren aber fangen immer entschiedener zu zweifeln an, ob die über ihnen stehende Gewalt noch die Kraft besitze, ihren Willen auszuführen — und eben darüber erwachen ganz neue politische Gedanken oder auch wohl Bestrebungen inmitten der verschiedenen Völkerschaften und Religionsbekenntnisse des Sultansreichcs. Die herrschende Klasse, die Muhammedaner sind nicht weniger als alle übrigen von diesem Zweifel ergriffen; und wenn sie sich auch keineswegs ruhig in ihr Schicksal ergeben, sondern dasselbe mindestens möglichst lange hiuausschiebcn wollen, so fehlt ihnen doch völlig die alte Zuversicht. Jedcsfalls tritt bei ihnen immer deutlicher der Gedanke zu Tage, daß ein großer Theil der bisher innegehaltenen Stellungen und Gebiete nicht wird bleibend zu behaupten sein; und ganz wie von selbst sehen wir sie auf europäischem wie auf asiatischem Boden an vielen Stelle» zurückwcichen, um sich fcstgeschlossen in Asien zu sammeln, und hier den Kampf auf Leben und Tod mit den von allen Seiten herandringenden christlichen Mächten zu bestehen. In der That ist es aber nicht die europäische Türkei allein, welche dieses Zurückweicheu der Muhammedaner erkennen läßt,