Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 3-4 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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37 Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten". Sie können deshalb ihre vielfachen Uebertretungen der göttlichen Gebote und die daraus fließende Unterwerfung unter den göttlichen Fluch nicht leugnen, der in der Ausschließung aus der Gegenwart und der herrlichen Macht Gottes besteht. Und die Gebete der Sünder können ihnen nichts helfen; denn das Gebet besitzt kein Verdienst, den Zorn eines beleidigten Gottes zu stillen — eines Gottes, dessen Gerechtigkeit die Bestrafung der Uebertretungen fordert. Wenn wir auch unsere Leiber auf's Aeußerste peinigen wollten, so könnten wir uns damit nicht Vergebung der Sünden erkaufen. Durch unfern Ungehorsam haben wir Gott selbst beleidigt, und wir dürfen nicht wähnen, daß irgend ein Thun, welches die Menschen gut nennen, ihn werde zufriedenstellen können; denn wenn wir ohne Sünde wären, würden gute Werke unsere Pflicht und Schuldigkeit sein, und deswegen können sie auf keine Weise die Sünder versöhnen. Daher riefen auch eure Väter, die alten Propheten, aus: „Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm, Psalm 6, 1." Und wieder: „Wenn du, Herr, willst Sünde zurechnen, wer wird vor dir bestehn? Psalm 130, 3." Und wieder „Gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte, o Herr, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Psalm 143, 2." Gleicherweise sagt Jesaia: „Wir sind alle wie die Unreinen, und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unfläthigeS Kleid. Jesaia 64, 6." Wenn die Kinder Israel tausend und mehr Jahre leben könnten, so würden sie doch keine Genugthuung für ihre Uebertretungen leisten können. Die Propheten, wie es aus den eben angezeigten Sprüchen hervorgeht, dachten sich nicht auf ihre guten Werke zu verlassen, um sich mit ihrem Schöpfer zu versöhnen; denn sie wußten wohl, daß Gutes zu thun ein Theil ihrer Pflicht sei, aber dies durchaus nicht, um damit eine Versöhnung ihrer Sünden zu stiften. Noch kann man sagen, daß Gott in seiner unendlichen Gnade die Sünde vergeben werde im Widerspruch mit seiner unendlichen Gerechtigkeit; denn wenn es so wäre, wo würde die Vollkommenheit seiner Eigenschaften bleiben? Gerechtigkeit ist ebensowohl eine Eigenschaft Gottes als Barmherzigkeit, so daß die letztere nicht bestehn kann, wenn nicht der anderen Genüge geschieht. Aber man mag annehmen, daß die Leiden nach dem Tode