Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 1-2 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554868-2554870--07547-2563561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 Erdendasein bringen, weil eben die alte jüdische Erbsünde der Ruhelosigkeit sie zu einem solchen nicht gelangen läßt. Herzerschütterndere Entscheidungen als die, welchen man unter den Proselyten der früheren Zeit begegnet, werden nicht leicht anderswo gefunden; die Kraft des Glaubens feiert da oft ihren höchsten Triumph. Aber dann fehlt es an der Heiligung, fehlt es an dem täglichen Kampf mit dem angeborenen und ererbten Wesen; und deshalb bietet oft ein solches Leben, das an einer früheren Stelle den wunderbarsten Durchbruch des Lichtes durch die Finsterniß zeigte, das Bild eines Tages dar. in dem fortwährend Nebel mit Sonnenschein kämpfen, der helle Tag aber nicht erscheinen will. Desto erfreulicher ist es, wenn man nun doch aber auch in jener Zeit immer wieder Proselyten antrifft, bei denen es in ihrem zunehmenden Leben entschieden stets lichter wird. Sowohl unter denen aus ihrer Zahl, die in einfachen Verhältnissen verblieben, begegnen wir solchen Leuten, als auch unter denen, die zuletzt an einer hervorragenderen Stelle standen. Zu diesen Letzteren gehört der Mann, dessen Name als Ueberschrift über diesem Artikel steht. Die Nachrichten, welche wir über C. v. Clausberg besitzen, sind nicht reichliche, aber sie sind lehrreich und tröstlich genug, um uns des Mannes Erwähnung thun zu lassen. Der bekannte Jndenmissionar Stephan Schultz berichtet über ihn (Christliche Bereisung der Judenörter Stück 3, 304 fl. aus dem Jahre 1748 und in seinen „Leitungen des Höchsten" 2,295 fl.) und auch Meusels Gelehrten-Lexikon enthält einige Angaben über denselben. Er selbst aber bringt einige Mittheilungen über seinen früheren Lebensgang in seinem „Licht und Recht der Kaufmannschaft. Danzig 1724-1726." Nur das Geburtsjahr, 1689, und den Geburtsort Clausbergs, nämlich Posen, kennen wir; dagegen nicht einmal seinen jüdischen Namen und überhaupt nichts von seinen früheren Verhältnissen. Im Jahre 1716 finden wir ihn 27 Jahre alt in Clausthal, der bekannten Bergstadt im Harz. Dort lebte damals als General- Superintendent Caspar Calvör, der mit besonderem Eifer auf die Bekehrung der Juden bedacht war. Er hat z. B. einen Judenkatechismus geschrieben, der hernach auch von den Missionaren der Callenbergschen oder Halleschen Mission unter den Juden vielfach verbreitet worden ist. Dieses ziemlich umfangreiche Buch behandelt die gauze christliche Lehre in Frage und Antwort, wobei ein jeder