Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 37 (1881)
- Issue
- 1-2 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Abschließung von der christlichen Kultur, in welcher die Juden größtcntheils bis zu Mendelsohn dahingelebt hatten, nach ihrer Taufe noch bedeutsamere Stellungen zu erlangen. Sie erwählten ja gewöhnlich in reiferen Jahren das Christenthum und waren daher zumeist außer »Stande, noch nachträglich die Bildung zu erwerben, welche man besitzen mußte, um in die höheren Gesellschaftskreise einzutreten. Derer aber waren nicht viele, welche sich eine genügende Geschmeidigkeit des Geistes bewahrt hatten, um noch einmal von vorn anfaugen zu können und das Versäumte schnell genug nachzuholen. Ueberdem standen die Proselyten der Regel nach von ihrer Taufe an mittellos da, denn die Ihrigen entzogen ihnen Alles, was sie bis dahin besessen hatten; und es kostete genug Anstrengung, die Getauften auch nur so weit zu bringen, daß sie sich mit ihrer Hände Arbeit in einem einfachen Berufe selbst erhalten konnten. Die Schwierigkeiten aber wurden noch dadurch erhöht, daß diese Proselyten bis dahin gewöhnlich nur Handelsleute in irgend welcher Form oder Lehrer und Rabbiner gewesen waren und daß sie nun ihre frühere Lebensart nicht mehr sortzusetzen vermochten. Handwerke oder den Ackerbau hatten sie ja nicht gelernt, und die Frage des täglichen Brotes begleitete deshalb nur gar zu Viele in ihrer schwersten und schmerzlichsten'Gestalt bis an ihr Ende. Bei vielen der damaligen Proselyten war aber freilich auch die Scheu vor der einfachen Arbeit, welche sie aus dem Judenthum als Erbe mit herübergenommen hatten, ganz in derselben Weise wie noch heute der Grund, daß es mit ihnen nicht vorwärts ging. Sie hatten oft jene schlimme Meinung nicht zurückgelassen, welche unter ihrer Volksgenossenschaft weithin herrschte, daß sie für etwas Besseres da seien, als die Arbeit eines Tagelöhners, eines Bauern, eines Handwerkers zu thun. Auch solche, die von der Richtigkeit der christlichen Lehre vollkommen überzeugt waren, gelangten daher häufig nicht zu der Ruhe und Stetigkeit im äußeren Leben, von denen doch das Wohlsein desselben abhängt. Nichts ist schmerzlicher, als immer wieder solchen Proselyten zu begegnen, die zuerst in bewunderungswürdigem Muthe den Kampf siegreich durchkämpfen, in dem es gilt, Christum oder die Liebsten zu lassen, Christum zu gewinnen, aber alles Andere dafür zu verlieren — und die es alsdann nun doch zu keinem befriedigenden